Hamburgs „Mutter Teresa“ heißt Schwester Petra

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Schwester Petra von der Mobilen Hilfe der Caritas: Für ihr unermüdliches Engagement wurde sie 2010 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.Foto: ab

Liebfrauenschwester betreut seit 20 Jahren Obdachlose und andere Hilfsbedürftige in der Innenstadt

Altstadt. Jährlich über 15.000 beschmierte Brote und über 4.000 Liter Kaffee und Tee verteilt Schwester Petra von der Mobilen Hilfe der Caritas an obdachlose Menschen in der Innenstadt. Mit ihrem VW Caddy steht die Liebfrauenschwester an fünf Tagen in der Woche – immer von 10 bis 11 Uhr und von 15 bis 16 Uhr – am Gerhart-Hauptmann-Platz – und das bereits seit 1998. Geleitet wird sie durch das Gebot Mahatma Gandhis „Fragt dich ein Hungernder: wo ist Gott? Dann gib ihm Brot und sage: Hier!“ Täglich sind es bis zu 80 Hilfsbedürftige, die bei Schwester Petra und ihrer Bastion der Nächstenliebe auf vier Rädern vorbeischauen. „Das Angebot wird sehr gut angenommen. Die meisten kenne ich seit Jahren“, sagt sie. Für viele ist der Besuch bei Schwester Petra, die von den umliegenden Geschäftsleuten liebevoll „Hamburgs Mutter Teresa“ genannt wird, die einzige Konstante im Leben. Und schon erscheint ein alter Bekannter am Wagen. „Noch einen heißen Kaffee?“, fragt sie freundlich, aber bestimmt. „Wenn es sein muss, kann ich auch nicht sanft reden“, verrät sie mit einem kleinen Augenzwinkern. Der Mann nickt, nimmt den Pappbecher entgegen, bedankt sich höflich und zieht wieder einige Meter von dannen. Für Schwester Petra beginnt der Tag früh. Um 5 Uhr steht sie auf. Nach dem Gebet, ist sie ganz für ihr Herzensprojekt da. Nach dem Einkaufen werden Brötchen geschmiert, 15 Liter Kaffee gebrüht und heißes Wasser für Tee aufgesetzt. An der Bahnhofsmission wird alles - zusammen mit weiteren Spenden wie etwa Kuchen oder Laugengebäck – in ihren treuen Gefährten, den VW Caddy, gepackt und dann geht es los zum Gerhart-Hauptmann-Platz. Das speziell ausgerüstete Auto nutzt Schwester Petras von Beginn an. Es wurde damals vom Erlös eines Benefizkonzertes im Michel erstanden. Für Menschen, die in akuter Notlage sind, hält die 72-Jährige auch etwas Kleidung und Schlafsäcke parat. „Besonders im Winter ist das Leben auf der Straße hart“, weiß sie aus Erfahrung und erinnert sich an eine Geschichte, die ihr immer im Gedächtnis bleiben wird.

„Besonders im Winter ist das Leben auf der Straße hart“
Schwester Petra
An einem kalten, verregneten Novembertag vor etwa zehn Jahren suchte sie ein Mann auf, der kaum bekleidet war. „Ich setzte ihn erst einmal vorne ins Auto, um ihn mit dem Nötigsten zu versorgen. Und dann kam ein Passant vorbei, erkannte die Lage und schenkte dem Mann spontan seine gefütterte Lederjacke“, erzählt sie. Der Mann habe sich riesig gefreut und berichtet, dass er gebetet hatte, dass dies ein guter Tag für ihn werde. Schwester Petras Augen leuchten. Aus ihrer Sicht reagieren die meisten Passanten auf das Schicksal der Notleidenden verständnisvoll und unterstützen ihre Arbeit mit einem Beitrag für die Spendenbüchse. Hier oder auch bei anderen sozialen Einrichtungen seien Geldspenden besser aufgehoben. „Die meisten Obdachlosen nehmen zwar lieber Geld als Essen an. Man darf jedoch nicht vergessen, dass viele sich davon Zigaretten, Alkohol oder gar Drogen kaufen.“ Schwester Petra hat schon viel Leid bei der Obdachlosenhilfe erleben müssen, ans Aufhören habe sie nie gedacht. Und heute? „Solange mir der Herrgott die Kräfte gibt, werde ich weiter machen.“ (ab)
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