Hausbesitzerin geprellt

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Frauke H. auf dem Dachboden ihres 1973 gebauten Hauses. Ein paar Arbeiten wurden tatsächlich ausgeführt - doch keineswegs im Wert von 24.500 Euro Fotos: Büh

Betrugs-Prozess um Reparaturen für 24.500 Euro

Von Florian Büh
Hamburg. „Ich bin immer vorsichtig“, sagt die Langenhornerin Frauke H. (59). Dann vergräbt sie ihr Gesicht in den Händen. „Nur an diesem Tag wohl nicht.“ Vor dem Amtsgericht Hamburg, das am Sievekingplatz residiert, ringt sie um eine Erklärung, wie es dazu kam, dass sie einem mutmaßlichen Betrüger 24.500 Euro überließ.
Rückblende. Am 30. November 2012 steht der Neumünsteraner Mario Th. vor H.s Reihenhaus in der Fibigerstraße. Zwei Kollegen hat er auch gleich mitgebracht. „Sie wollten für 30 Euro meine Regenrinnen reinigen“, berichtet die Klägerin. Dann plötzlich hätten die Männer von längst fälligen Reparaturen am Haus geredet.

Mit der Klägerin zur Bank gefahren

Nachdem Mario Th. auch auf dem Dachboden war, bietet er der alleinstehenden Frau auch gleich Dämm- und Renovierungsarbeiten in Höhe von 24.500 Euro an. In Bar. Angeblich im Auftrage seines Schwiegersohnes, der einen Dachdeckerbetrieb habe. Um schnell an Geld zu kommen, fährt einer der Männer mit der gelernten Krankenpflegerin gleich mehrfach zur Bank nach Norderstedt. Das abgehobene Geld händigt sie jeweils an Mario Th. aus. Irgendwann werden eine Bankangestellte und eine Freundin von Frauke H.jedoch misstrauisch, wittern den möglichen Betrug, raten zur Anzeige.
Angeklagter hat nur eine Reisegewerbekarte
Als der Handwerker, der nur mit einer „Reisegewerbekarte“ ausgestattet ist - und daher keine Dachdeckerarbeiten ausführen darf - Wind von der erstatteten Anzeige bekommt, taucht er einfach gar nicht mehr auf. Da war es schon Mitte Dezember 2012. Einige Arbeiten waren bereits ausgeführt. Der Dachboden wurde mit Dämmwolle ausgestattet. Doch dieser ist nicht einmal ausgebaut. Der Schornstein wurde teilweise neu gestrichen, obwohl der Schornsteinfeger das für unnötig hielt. Schriftlich, so die Hausbesitzerin, sei so gut wie gar nichts gelaufen - was den Prozess vor dem Amtsgericht nun auch so schwierig macht. Frauke H. hat lediglich einen Zettel mit Rufnummern erhalten.
„Ich wurde über den Tisch gezogen“
Ein schriftliches Angebot, das nun in der Hauptverhandlung vergangene Woche vorgelegt wurde, trägt das Datum 3. Dezember 2013...
Unstrittig ist: Die 24.500 Euro wechselten den Besitzer, und Frauke H. ist total durcheinander: „Ich wollte das alles nie. Natürlich will ich, dass mein Haus in Schuss ist. Aber hier wurde ich wohl über den Tisch gezogen.“
Ob das so ist und ob sich der Angeklagte Mario Th. gar des gemeinschaftlichen Betruges schuldig gemacht hat, wird Anfang November weiter verhandelt.
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