Hausputz beim Jubilar

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Architekt Reinig mit einem Foto, das die Räume vor der Renovierung zeigt Foto: Grewe
 
Der Sitz der Gesellschaft an der Trostbrücke Foto: Grewe

Patriotische Gesellschaft wird 250. Zum Geburtstag am 11. April soll das Gebäude saniert sein

Von Elke Grewe
Altstadt
Noch werkeln im Reimarus-Saal die Handwerker und niemand mag sich vorstellen, dass die Sanierungsarbeiten bis zum 11. April, dem Jubiläum der Patriotischen Gesellschaft von 1765 fertig sind. Die drei großen Leuchter aus den 50er Jahren sollen noch renoviert werden. Die Farbe an den Wänden wird erneuert, die 300 Stühle müssen mit den neuen, schicken Stoffen in Grün, Blau, Türkis und Hellblau bezogen werden und die erneuerten Vorhänge fehlen auch noch.
„Wenn die Sanierungsarbeiten endgültig abgeschlossen sind, wird sich das Haus der Patriotischen Gesellschaft als luftiges, helles und einladendes Gebäude präsentieren,“ verspricht der Architekt, Joachim Reinig.

„Bei unserem Hoffest am 11. April werden die Besucher das traditionsreiche Denkmal und seine Qualitäten neu erleben.“ Dr. Ingrid Nümann-Seidenwinkel

„Bei unserem Hoffest am 11. April werden die Besucher das traditionsreiche Denkmal und seine Qualitäten neu erleben. Wir übergeben den Mitgliedern und der Öffentlichkeit dann ein attraktives Haus im Herzen Hamburgs“, sagt Dr. Ingrid Nümann-Seidenwinkel, Vorsitzende des Vorstands der Patriotischen Gesellschaft von 1765.
Seit 1847 befindet sich das Haus der Patriotischen Gesellschaft in prädestinierter Lage an Trostbrücke/Börsenbrücke. Es steht auf dem Platz, an dem sich seit dem 13. Jahrhundert das alte Hamburger Rathaus befand - das musste während des Großen Brandes 1842 gesprengt werden. Nach einem Wettbewerb 1844 wurde das Gebäude nach Plänen von Theodor Bülau 1845-1847 errichtet. Das Haus der Patriotischen Gesellschaft ist in architektonischer Weise wegweisend. „Es ist eines der ältesten Profanbauten aus Backstein und bildet den Startpunkt für den Backsteinbau in Hamburg“, so Architekt Reinig.
Hier wurde um die erste Hamburgische Verfassung gerungen, hier versammelte sich von 1859 bis 1898 die gewählte Bürgerschaft. Bis heute ist es ein Ort für den kritischen Austausch unterschiedlicher Meinungen, für bürgerliches Engagement und attraktive Veranstaltungen geblieben.

Herausforderung


Für den Architekten Joachim Reinig ist es deshalb eine große Herausforderung, dieses seit 1923 unter Denkmalschutz stehende Haus zu sanieren, an dem aber natürlich der „Zahn der Zeit“ genagt hat. 2012/2013 begannen die ersten Arbeiten, im Mai 2014 begann die zweite Bauphase.
Das Ziel des Architekten, mehr Transparenz an der Fassade, ist an der Börsenbrücke deutlich erkennbar. Die Bleiglasfenster im Erdgeschoss wurden durch bodentiefe Klarglasfenster ersetzt. Die alten Eingangstüren an der Trostbrücke wurden gegen Türen aus Klarglas ausgetauscht. Die originalen, schweren Holztüren bleiben dahinter geöffnet an den Eingangstüren sichtbar.

Neues Lichtkonzept


An der Seite zum Nikolaifleet, wurde die Fassade, die wie eine mittelalterliche Burg wirkt, sensibel saniert. Die maroden Fenster wurden durch neue, im Originalstil gebaute Holzfenster ersetzt. Ein Beleuchtungskonzept vom Lichtkünstler Michael Batz kreiert. Insgesamt wurden zirka drei Millionen Euro investiert. „Wir sind im vorgegebenen finanziellen Rahmen geblieben“, betont Nümann-Seidewinkel. Finanziert wurden die Maßnahmen unter anderem von der Bärbel und Peter Hoerner Stiftung, der Haspa, aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes, der Stiftung Denkmalschutz und der Bürgerschaft.

Info:
Die Patriotische Gesellschaft kann in ihrem 250-jährigen Bestehen auf echte soziale Verdienste zurückblicken. Auf ihre Initiative ging zum Beispiel die Einführung des Kartoffelanbaus in Hamburg zurück. Sie gründete 1778 die erste Sparkasse in Europa. Im Jahr 1820 sorgten die Mitglieder für die Eröffnung des Botanischen Gartens auf dem Gelände der ehemaligen Wallanlagen „Glacis am Dammthor“. Die Gesellschaft unterstützte auch die Gründungen des Museums für Kunst und Gewerbe 1877 und des Museums für Hamburgische Geschichte 1908. (eg)
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