Hilfe für gestresste Mütter in Hamburg

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Dr. Kirsten Bollongino, Fachamt Gesundheit

„Mütterseelenallein“ war Thema der Gesundheitskonferenz. Wo es Rat gibt

Von Christian Hanke
Hamburg. Vor allem unmittelbar nach der Geburt ihrer Kinder brauchen Mütter eine Weile Ruhe und Erholung. Das war schon immer so. Doch heute stehen viele, vor allem alleinerziehende ohne Partner sofort unter Existenz- oder Leistungsdruck, sind oft dem Stress nicht gewachsen und fallen in depressive Krisen. Sie sind buchstäblich „Mütterseelenallein“.
Unter diesem Motto stand die Gesundheitskonferenz 2014 im Bezirk Hamburg-Nord, die fünfte ihrer Art, die alle zwei Jahre veranstaltet wird. „Psychisch kranke Mütter können ihre Kinder nicht mehr versorgen. Das hat erhebliche Auswirkungen, nicht nur auf die Kinder, sondern auf die ganze Familie. Wir wollen Hilfen anbieten, denn am wenigsten kann sich eine psychisch kranke Mutter noch um Hilfe kümmern“, erklärte Dr. Kirsten Bollongino, Leiterin des Fachamtes Gesundheit im Bezirksamt Hamburg-Nord, zu den Zielen der Konferenz.

15 Prozent betroffen

Im Kulturhof Dulsberg am Alten Teichweg 200 eröffnete Bezirksamtsleiter Harald Rösler die Gesundheitskonferenz, die mit dem Vortrag von Dr. Susanne Mudra, Kinder- und Jugendpsychiaterin am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), über „Psychische Krisen in der frühen Mutterschaft“ begann. Sie führte aus, dass bis zu 15 Prozent der Mütter schwere psychische Krisen erleiden. Eine Studie aus den USA ergab, dass eine von zehn Müttern an Depressionen erkrankt. Der größte Risikofaktor ist eine frühere psychische Erkrankung. Aber auch ein nicht vorhandenes soziales Netzwerk, keine feste Arbeit und Armut können psychische Krankheiten auslösen.

„Hochleistungsfrauen“

Wer dagegen sozial gut verankert und finanziell versorgt ist, ein starkes sogenanntes Kohärenzgefühl entwickelt hat, mit sich und seiner Umwelt im Einklang lebt, kann Probleme und Schwierigkeiten der Schwangerschaft gut überstehen. Gefährdet sind oft auch sehr junge Mütter (unter 20) und die „Hochleistungsfrauen“, die Beruf und Mutterschaft perfekt miteinander verbinden wollen. „Sie sind am ehesten vom Burn-Out bedroht“, berichtet Dr. Susanne Mudra über die zweite Gruppe, von der sie in den letzten Jahren immer mehr behandelt hat. Ein weiteres Problem: „Mütter in Krisen ist diese Situation oft nicht bewusst.“

15 Vereine helfen

Neben weiteren Beiträgen, unter anderem der Vorstellung der Internetseite FINE mit Hilfsangeboten für psychisch kranke Mütter, zeigten 15 Institutionen auf einem Markt der Projekte ihre Hilfsmöglichkeiten für psychisch kranke Mütter, darunter auch Organisationen, sie sich in erster Linie um Kinder kümmern, wie die Babylotsen in Hamburg von SeeYou, die sich auf frühe Hilfen rund um Schwangerschaft und Geburt spezialisiert haben. „Wir vernetzen, suchen die richtigen Ansprechpartner für psychisch kranke Mütter“, berichtete Tina Wilson. Das hat sich auch Susanne van Heuvel von der Mutter-Kind-Kur-Beratung Hamburg zur Aufgabe gemacht. Die Einzelkämpferin, die sich in Krankenhäusern um Menschen mit seelischen Erkrankungen kümmert, vermittelt die erkrankten Mütter sogar deutschlandweit. „Es lag mir immer am Herzen, Mütter zu unterstützen“, erzählt Susanne van Heuvel über ihre Motivation.
Hilfe bieten auch AugenBlicke e.V., die Beratungsstelle des Deutschen Arbeitskreises für Familienhilfe e.V. Hamburg Ost, CHiMPs (children of mentallly ill parents), die Evangelische Müttergenesung, der Freundeskreis Ochsenzoll, die Hamburgische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung „Schatzsuche“, KiFaZ im Barmbek Basch, die Beratungsstelle nullbisdrei, Pfiff (Fachdienst für Familien, Pflege- und Patenkinder), psychenet, die SchreiBabyAmbulanz Hamburg von Rückhalt e.V., die Selbshilfegruppe postpartale Depression des Vereins Licht und Schatten, Von Anfang an e.V. und Wellengang Hamburg von ALADIN e.V. Für Wellengang ist auch das Crowdfunding-Projekt „Der Hamburger Weg“ aktiv.
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