Himmlische Baustelle

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Franz-Josef Skrzipek ist der Meister der Kirchtürme und hat St. Georg sein Kreuz zurückgebracht.Fotos:kg

Kirche in St. Georg hat ihr Kreuz zurück

Von Karen Grell
St. Georg. Die Kirche in St. Georg hat ihr Kreuz zurück. Vor ein paar Monaten war es plötzlich vom Kirchturm auf die Erde gefallen und der Platz am Kirchhof musste Tage lang gesperrt bleiben. Verletzt wurde damals niemand. Wie der Kirchturm nun zu seinem neuen Kreuz, einschließlich der Wetterfahne und der schönen glänzenden Kugel kam, das konnten Anwohner und Besucher in den vergangenen Tagen beobachten. An einem Gerüst, das nur am oberen Teil des Kirchturms befestigt war, kletterte ein Mann, der völlig schwindelfrei sein musste, bei jedem Wetter über die Turmspitze. Franz-Josef Skrzipek spricht nicht gern und schon gar nicht über seine Arbeit. Wie es denn sei, wenn er dort oben in fast 70 Metern Höhe auf einem einzigen wackeligen Brett stehe? „So wie hier auch“, beantwortet der Dachdecker die Frage knapp, deren Hintergrund er gar nicht zu verstehen scheint. Höhenangst, dieses Wort gehört nicht zum Sprachgebrauch des Spezialisten für Arbeiten in schwindelerregenden Höhen. Der 66 Meter hohe Kirchturm in St. Georg sei da längst nicht die höchste Baustelle seiner Karriere gewesen. „Wir führen Arbeiten ohne Gerüst durch“ wirbt der Fachmann aus Burgdorf, der den St. Georgern nun ihr Logo für die Kirche zurückgegeben hat.
Durch eine Luke weit oben in der Kirchturmspitze, die extra für die Arbeiten in das Dach gesägt wurde, konnte Franz-Josef Skrzipek sich zusammen mit seinen Kollegen über ein paar Meter bis zur Spitze hinaufarbeiten. Hätte die Kirche komplett mit einem Gerüst versehen werden müssen, wie es bei einer regulären Sanierung geschehen wäre, hätten die Kosten allein für das Gerüst über 50.000 Euro bedeutet. „Da wäre aber noch kein Material dabei gewesen“, erinnert Harald Riege, der als Gebäudebeauftragter für die Kirche im Einsatz ist.
Held der Lüfte
Mit einem Strahlen im Gesicht und einem „Herzlichen Glückwunsch“ begrüßt Riege den Helden der Lüfte, der die Besonderheit dieses Arbeitsplatzes völlig unspektakulär einschätzt.
Über die Geschichte, dass ein Zivi in der Kirche nicht einmal eine Lampe in fünf Metern Höhe über eine sichere Leiter auswechseln konnte, muss er aber auch ein wenig schmunzeln. „Kann ich jetzt wieder hoch“? Franz-Josef Skrzipek dauert das Interview zu lange. Vielleicht deshalb, weil er nicht ein Mann der vielen Worte ist, wahrscheinlich aber vor Allem, weil er sich hoch oben über den Kirchturmspitzen am wohlsten fühlt. „Ist ziemlich warm dort oben“ lacht er noch und verabschiedet sich bereits in Richtung Luke. (kg)
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