Hochglanz gegen das Vergessen

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Annegret Krol und Siegfried Hirsch reinigen seit sieben Jahren Stolpersteinen in Uhlenhorst und Hohenfelde Foto: Hanke

Ehrenamtliche Putz-Paten reinigen die Messingplatten der Stolpersteine

Uhlenhorst/Hohenfelde Stolpersteine erinnern in der ganzen Stadt an Opfer des Nationalsozialismus. Auf die mit Messing verzierten Steine sind die Lebensdaten der jeweiligen Opfer eingraviert. Doch viele dieser Inschriften sind kaum lesbar, denn durch Witterung verschmutzen sie. Das fiel 2006 Annegret Krol aus Uhlenhorst auf. „Ich habe sie dann immer mit meinen Schuhsolen versucht zu reinigen, wenn ich an einigen vorbeikam. Über die Steine wusste ich nichts Genaues“, erzählt die Uhlenhorsterin, die Mitglied im Hohenfelder Bürgerverein ist, der auch Uhlenhorst betreut. Heute ist sie die Leiterin des Arbeitskreises Stolpersteine in diesem Bürgerverein. Über die kleinen Steine, die der Kölner Künstler Gunter Demnig seit 1992 vor den Wohnorten von NS-Opfern verlegt, weiß sie nun bestens bescheid. Sie beschloss die Säuberung der Stolpersteine zu systematisieren, fand Gleichgesinnte und gründete 2009 den Arbeitskreis, der nun die Stolpersteine in Uhlenhorst und Hohenfelde sauber hält. Die rund 30 Mitglieder des Arbeitskreises – die „Putz-Paten“ – säubern „ihre“ Stolpersteine mindestens zweimal jährlich. Um bis zu acht Stolpersteine kümmert sich jedes Mitglied, einige haben echte Patenschaften übernommen. Denn durch Patenschaften werden die Steine finanziert. Die Auswahl der Putzmittel ist jedem selbst überlassen. Die meisten nutzen aber ein bestimmtes Metallreinigungsmittel und einen speziellen Schwamm, den Peter Hess, Organisator der Stolpersteinverlegungen in Hamburg, empfiehlt. Aber auch Backofenspray und Wurzelbürsten verrichten gute Dienste. Beim Putzen bekommen die Stolpersteinreinger nicht nur positives Feedback. „Einige von uns werden beschimpft. Eine Frau sagte mir einmal: Das dürfen Sie nicht. Das ist mein Haus“, erzählt Siegfried Hirsch, Erster Vorsitzender des Hohenfelder Bürgervereins, und einziges männliches Mitglied des Arbeitskreises Stolpersteine. Die meist älteren Mitglieder, von denen viele auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung hinzugestoßen sind, treffen sich mittlerweile zu kleinen Gedenkfeiern bei den Stolpersteinen. Sie nehmen an Verlegungen neuer Steine teil und besuchen gemeinsam jüdische Stätten in Hamburg, Friedhöfe oder die Synagoge. Die Motivation für dieses Ehrenamt ist vielfälltig: Vorstandsmitglied Ursula Pfüdtner etwa arbeitete als Au-Pair-Mädchen bei einer jüdischen Familie in London. Seitdem interessiert sie sich für die jüdische Vergangenheit. „Die Erinnerung darf nicht vergessen werden“, findet sie. „Ihre“ sechs Stolpersteine, in der Nähe ihrer Wohnung gelegen, putzt sie immer, wenn sie feststellt, dass diese verschmutzt sind. Putzutensielien hat sie für diesen Fall immer dabei. Über die Menschen, für die die Stolpersteine verlegt wurden, ist Pfüdtner gut informiert.

156 Messing-Steine


Die Gruppe, die sehr konstant 30-Mitglieder stark ist, sucht noch Mitstreiter, denn die Anzahl der Stolpersteine in Uhlenhorst und Hohenfelde ist seit Gründung des Arbeiskreises kontinuierlich gestiegen. „Am Anfang haben wir uns um 45 Steine gekümmert“, erzählt Siegfried Hirsch. Zwei Jahre später lagen schon 100 Steine. Jetzt sind es 156. 169 werden es vermutlich. 21 Steine werden derzeit nicht gepflegt, alle liegen in Hohenfelde. Besonders viele finden sich in der Lübecker Straße, im Hofweg und der Papenhuder Straße sowie am Mundsburger Damm.
Wer Stolpersteine in Uhlenhorst und Hohenfeld putzen möchte, wendet sich unter Telefon 22 69 48 57 an Annegret Krol. (ch)
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