Ignorante Autofahrer kontra dreiste Radler

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Wird demnächst in Hamburg häufiger zu sehen sein: Einbahnstraßen, die in beide Richtungen von Radfahrern befahren werden können

Warum zwei unterschiedliche Verkehrsteilnehmergruppen in Hamburg im Dauerclinch liegen

City/St. Georg. „Radfahrer sind keine besseren Menschen, sie haben nur das bessere Fahrzeug“, sagt Dirk Lau vom Allgemeinden Deutschen Fahrradclub (ADFC) in Hamburg. Die Autofahrer sind - ob schuldig am Unfall oder nicht - in jedem Fall die stärkeren Fahrzeuge. So wurde kürzlich ein Radfahrer beim Linksabbiegen an der Esplanade von einem Taxi angefahren und lebensgefährlich verletzt. Am Freitag gab es in St. Georg eine Kollision, bei der ebenfalls ein Radfahrer schwer verletzt wurde.
Einbahnstraßen, die beidseitig von Radfahrern benutzt werden dürfen sind – gerade in den zugeparkten Straßen St. Georgs – sind ein ebenso großes Risiko für Radfahrer wie das Abbiegen in unübersichtliche Seitenstraße. Trotz des Hinweisschildes an der Zufahrt der Einbahnstraße berücksichtigen Autofahrer häufig nicht, dass ihnen ein Radler von der „falschen“ Seite entgegenkommen könnte. „Hier hat es schon dramatische Szenen gegeben“, weiß Anwohner Jan Hoffmann, häufig in der Gurlittstraßeunterwegs, einer der Einbahnstraßen, die stets mit parkenden Wagen zugestellt sind. Kürzlich seien zwei Männer - ein Autofahrer, ein Radfahrer - so sehr aneinandergeraten, dass es zu einem eskalierenden Streit kam.
Doch es sind längst nicht nur Autofahrer die „Bösen“. „Die häufigsten Delikte, die von Radfahrern in der City zu verantworten sind“, berichtet Karina Sadowsky von der Hamburger Polizei, „ist nach neueren Untersuchungen das Passieren einer roten Ampel und das Fahren auf der falschen Radwegseite.“
Immerhin sollen im laufenden Jahr 200 „Radfahrer frei“-Einbahnstraßen zusätzlich in Hamburg markiert werden. Damit kommt der Senat einer Forderung des ADFC entgegen. Dirk Lau vom ADFC: „Der Radverkehr gehört auf die Straße, und wer auf der Straße radelt, darf nicht von Kfz-Verkehrsteilnehmern angehupt oder genötigt werden, nur weil diese nicht wissen, dass der Radfahrende dort zu Recht fährt und sich den Platz nimmt, der ihm zusteht.“ Es müsse sich jedoch viel ändern, bis Hamburg eine „fahrradfreundliche Stadt ist“. (kg)
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