In Windeseile zum Spitzenfahrer

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Silvia Dartsch (l.,49) aus Berlin unterstützt Philipp Hetz als Co-Pilotin
 
Philipp Hetz (28) ist stolz auf seine rasante Karriere und hat schon einige Rallye-Pokale gesammelt

Der Hamburger Philipp Hetz stellt im ADAC Opel Adam Cup sein unentdecktes Talent unter Beweis

Von Sonja Schmidt
Barmbek

U-Bahn oder Busfahren? Nein, das ist beides nichts für Philipp Hetz. Der 28-Jährige meidet öffentliche Verkehrsmittel und fährt lieber mit dem eigenen Auto. Benzin liegt ihm im Blut. Davon aber wusste er lange Zeit nichts. Solange nicht, bis er vor einem Jahr das erste Mal in Oschersleben (Landkreis Börde, Sachsen-Anhalt) ein Rallyeauto steuerte: Klassensieg, Gesamtrang sechs – das konnte doch kein Zufall sein?

Hetz packte der Ehrgeiz, er fuhr weitere Rallyes und entwickelte sich so schnell, dass er 2016 ins Nachwuchsförderprogramm des ADAC Opel Rallye Cup aufgenommen wurde. Europas stärkster Rallye-Markenpokal unterstützt junge Talente auf ihrem Weg an die Spitze – und Philipp Hetz aus Barmbek gehört als einziger Hamburger dazu.
„Fahr langsam“, sagt seine Mutter, wenn wieder eine Rallye ansteht. „Aber ich hätte natürlich weniger Spaß am Rallyesport, wenn ich immer nur auf den hinteren Plätze rumdümpeln würde. Ich will ja vorn mitkämpfen“, erklärt Hetz. Im Adam Cup absolviert er mit dem ADAC Team Hansa im Rahmen der Deutschen Rallyemeisterschaft (DRM) bis Ende Oktober insgesamt sieben Veranstaltungen in Deutschland. ADAC und Opel stellen den 16 Teams technisch identische Fahrzeuge bereit, den kleinen und wendigen Opel Adam Cup mit sequenziellem Fünfgang-Getriebe und 1,6-Liter-Vierzylinder-Saugmotor (140 PS).

Bäume an der Strecke

Statt Technik stehen die fahrerischen Fähigkeiten im Vordergrund. Die Regeln sind ganz einfach: Wer es übertreibt, fliegt ab. Auslaufzonen, Reifenstapel? Fehlanzeige. Schutzmechanismen, die man aus der Formel 1 kennt, fehlen auf einer Rallye-Wertungsprüfung (WP) völlig. Stattdessen säumen Bäume den Weg: „Natürlich kann immer etwas passieren. Unsere Rallyeautos sind aber sehr fortschrittlich gebaut und ich fühle mich sicher.“

Gleich zu Saisonbeginn im März musste er dennoch Lehrgeld zahlen: Bei schwierigen Bedingungen im Regen rutschte er mit Co-Pilotin Silvia Dartsch bei der Saarland-Pfalz-Rallye in St. Wendel von der matschigen Strecke. Keiner verletzt. „Wir hatten die erste Etappe auf Platz sechs beendet, aber dann habe ich es übertreiben“, berichtet Hetz. Selbsterkenntnis gehört zum Werdegang eines Rallye-Piloten: „Ich bin ein sehr aggressiver Fahrer, das ist mir bewusst. Manchmal ist defensiv fahren nun mal besser. Ich lerne bei jeder Rallye dazu.“

Auf dem Weg zu Windkraftanlagen in ganz Deutschland spulte der Hamburger Geschäftsführer im vergangenen Jahr rund 90.000 Kilometer ab. Beruf und Hobby unter einen Hut zu bekommen, sei nicht immer einfach, sagt er. Die vielen Reisen durch Deutschland, die Ernährungsumstellung, das harte Fitnessprogramm – aber Hetz will nichts anderes machen.
In Windeseile hat er es in den ADAC Opel Rallye Cup geschafft. Nun sollen Plätze unter den ersten Zehn her. Immer ins Ziel kommen, so lautet seine Devise für die weitere Saison. Co-Pilotin Silvia Dartsch unterstützt ihn vom Beifahrersitz aus. Sie liest den Aufschrieb vor, den beide gemeinsam erstellt haben und weist ihm den Weg durch die WPs: „Und sie hält mich auch mal zurück, wenn es nötig ist. Mit ihr schaffe ich es auch in zwei Minuten, einen Reifen zu wechseln.“

Auch sein Bruder Daniel Lesser unterstützt die späte, aber rasante Karrierefahrt des 28-Jährigen. Dessen Firma aus Thüringen baut Rallyeautos auf und vermietet sie. „Das Thema Rallye schwirrt irgendwie schon lange bei uns in der Familie umher“, sagt Hetz. In seiner Wohnung in Barmbek schmücken zahlreiche Pokale die Fensterbank. Hoch oben im Regal thronen Pokale, die er im vergangenen Jahr nach drei Plätzen auf dem Podium in der DRM eingeheimst hat. Einen Lauf hat er gewonnen. „Angesichts meiner geringen Erfahrung bin ich darauf besonders stolz“, so Hetz.

Kopf einschalten

Um noch besser zu werden, besucht Hetz regelmäßig Trainingsworkshops und lässt sich von Profis wie Armin Schwarz in die Geheimnisse von Fahrdynamik und Fahrzeughandling einweihen: „Beim Rallyesport muss ich viele Faktoren beachten. Es geht nicht nur darum, den Fuß auf dem Gas zu lassen.“ Wenn der Fahrer die richtige Strategie anwendet, können selbst leistungsschwächere Autos leistungsstärkere schlagen. „Beim Rallyefahren muss ich immer meinen Kopf einschalten, das gefällt mir besonders gut“, so Hetz.
Im August startet er mit den anderen Opel Cup-Teams bei der ADAC Rallye Deutschland rund um Trier. Gut 200.000 Zuschauer werden erwartet und im Windschatten der Rallye-Weltelite kann Hetz sein Talent auf zwei Wertungsläufen unter Beweis stellen. Eine gute Chance, um Sponsoren anzulocken. „Rallyesport ist kein billiger Sport. Um sich zu professionalisieren, braucht man
Unterstützer“, weiß Hetz. Sein Traum: International um Siege fahren. Zum Beispiel in der Rallye-Europameisterschaft.
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1 Kommentar
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Elke Noack aus Rahlstedt | 23.04.2016 | 16:29  
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