Iphigenie – ein Stück aus vier Vorlagen

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Klytämnestra (Daniela Ziegler, r.) im Disput mit Tochter Elektra (Susanne Bredehöft) Foto: Marcus Renner/wb

In seiner Inszenierung hat Torsten Fischer die Frauen in den Mittelpunkt gestellt

Uhlenhorst Die Frauen hat Regisseur Torsten Fischer in den Mittepunkt seiner Inszenierung „Iphigenie, Träumst du, Mutter?“ nach Bearbeitungen des antiken Sagenstoffs von Goethe, Aischylos, Euripides und von Hofmannsthal gestellt, die jetzt am Ernst Deutsch Theater zu sehen ist. Frauen, die geopfert oder ermordet wurden und denen nur die Sprache blieb, um sich gegen die stets gewaltbereiten Männer zu verteidigen.
Nur Frauen sprechen in seiner Inszenierung, in der Orest von einer Frau gespielt wird, und der einzige Mann, der Tänzer Valentí Rocamora i Torà als Agamemnon und Thoas stumm bleibt. Ein ambioniertes Vorhaben, das in Kurzform die grausame Geschichte der Tantaliden, die Opferung Iphigenies durch den Vater Agamemnon für frischen Wind nach Troja, die Ermordung Agamemnons nach der Rückkehr aus Troja durch seine Frau Klytämnestra und deren Liebhaber Ägisth, und deren Tod durch die Hand des eigenen Sohnes Orest, aus der Sicht der Frauen erzählt, um dann im zweiten Teil als Gegenentwurf zu dieser Blutorgie in einem Extrakt aus Goethes „Iphigenie auf Tauris“ die Möglichkeit des Vergebens und Verschonens aufzeigt.
Auf kahler Bühne sprechen exzellente Schauspielerinnen wie Daniela Ziegler (Klytämnestra) oder Ulli Maier (Iphigenie) in schwarz gehüllt die herausragenden Texte. Blut und nackte Brüste sollen das Animalische des Geschehen offenbar unterstreichen. Warum Elektra nur barbusig auftritt, erschließt sich allerdings nicht.
Es fällt schwer, den Texten dauerhaft zu folgen, denn weil es sich um sehr aussagekräftige Passagen von vier Stücken der Weltliteratur handelt, bewegt sich die ganze Inszenierung auf einem Niveau von Hochdramatik und Pathos. Keine Leichtigkeit, keine Entwicklung der Geschichten verschaffen Entspannung. Vielleicht hatte Daniela Ziegler deshalb einen Total-Blackout in der Premiere und konnte ihren Text über Minuten nur mit Hilfe des Souffleurs sprechen. Ihr großartiges Spiel rettete sie. (ch)

„Iphigenie, Träumst du, Mutter“, noch bis 29. Mai im Ernst Deutsch Theater, Friedrich-Schütter-Platz 1
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