Kapernaumkirche: Von der Kirche zur Moschee

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Im früheren Kirchenschiff wurde diese große Empore eingebaut Foto: fbt
 
Der markante Turm der ehemaligen Kapernaumkirche in Horn Foto: fbt
Hamburg: Kleiner Pulverteich 17 |

Sanierungsarbeiten gehen zügig voran – Kosten höher als veranschlagt. Einzugstermin steht noch nicht fest

Von Frank Berno Timm
Horn
Die Umbau- und Sanierungsarbeiten an der früheren Kapernaumkirche in Horn schreiten voran. Daniel Abdin, Vorsitzender der Al-Nour-Gemeinde gibt einen Einblick in die Räume der zukünftige Moschee: Der Charme des Raums nimmt einen schnell gefangen. Das frühere Kapernaum-Kirchenschiff, in dem jetzt eine neue Empore eingebaut ist, wirkt, als sei es in mildes Licht getaucht worden. Früher war die Kirche nach Osten ausgerichtet, die Muslime beten aber in Richtung Südosten. Hier entsteht, gegenüber der Empore, die Gebetsnische und eine Kanzel. Die Bauarbeiter waren gründlich: Der Boden wurde zwei Meter tief ausgehoben, verscharrtes Gerümpel rausgeschafft und eine Fußbodenheizung eingebaut. Die Wände sind weiß, ein Teil der Glasfenster schon saniert.

Sanierung seit 2014

Gebaut wird hier seit Anfang 2014. Die Kosten seien mit vier Millionen Euro höher als erwartet und die Sanierung braucht mehr Zeit als gedacht. „Wir hoffen, dass wir Anfang nächsten Jahres einziehen können“, erklärt Abdin. Das hinge vor allem davon ab, wie viel Geld noch gespendet wird. Abdin betont: Er werde mit seiner Gemeinde erst umziehen, wenn auch der letzte Nagel eingeschlagen sei.
Teuer wird die Sanierung des Turms, der, wie das ganze Gebäude, unter Denkmalschutz steht. Zwar bekommen die Bauherren die Hälfte der 622.000 Euro der Sanierungskosten des Turms vom Bund erstattet, aber über 300.000 € muss die Gemeinde selbst aufbringen.

Barrierefreie Moschee

Die neugeschaffene Empore ist für die Frauen bestimmt, erläutert der Gemeindevorsitzende. Neu gebaut wurden der Vor- und Verbindungsbau zum Turm und ein Keller. Es wird einen sehr hellen, schönen Seminarraum geben. In den Etagen des Verbindungsbaus und des Turms werden Toiletten und Waschräume für Männer (Erdgeschoss) und Frauen (erste Etage) untergebracht. Im Eingang wird ein Aufzug installiert. Parkmöglichkeiten für Besucher gebe es bereits am U-Bahnhof „Horner Rennbahn“, darüber hinaus wolle man weiteren Parkraum schaffen. Die Al-Nour-Moschee will eine barrierefreie Moschee sein, dies sei durchaus im doppelten Wortsinn zu verstehen. Abdin will den Dialog mit den Gläubigen vertiefen und so Barrieren in den Köpfen abbauen. Sichtbare Moscheen seien eine wichtige Prävention gegen Radikalisierung: „Viele werden hier den Zugang zum Glauben suchen“, sagt Abdin. So seien auch regelmäßige Kaffeerunden mit den Nachbarn geplant, unter denen es viele Senioren gebe, denen die jungen Muslime der Gemeinde ihre Hilfe anbieten. Schon jetzt – bislang hat die Al-Nour-Moschee ihren Sitz in St. Georg – kommen rund 2.500 Menschen zum Freitagsgebet, das „in Schichten“ stattfindet. Abdin lässt beim Gespräch mit dem Wochenblatt keinen Zweifel daran, dass er für „so viel Dialog wie möglich“, eintritt. Die Gesellschaft sei wie ein Diamant, der umso mehr glitzere, wenn seine Facetten sorgfältig geschliffen seien. Derzeit ist der islamische Fastenmonat Ramadan. Dessen Ende wollen die Gläubigen in der Al-Nour-Moschee am Pulverteich in St. Georg am 16. und 23. Juni um 20.30 Uhr gemeinsam mit katholischen und evangelischen Christen feiern.

Info

Der ursprüngliche Kirchenbau der Kapernaum-Kirche war 1958-61 nach Plänen des Architekten Otto Kindt errichtet worden. Seit 2014 wird die Kirche in eine Moschee umgebaut. Die Al-Nour-Gemeinde bitte um weitere Spenden für die Umbau- und Sanierungsarbeiten. Spendenkonto: Islamisches Zentrum Al-Nour e.V., Hamburger Sparkasse, IBAN: DE91200505501026219400, BIC: HASPDEHHXXX
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