Kein Verständnis für den Streit

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Uwe Machinia (51) arbeitet unweit der Kindertagesstätte entfernt und ist der Meinung, dass es durchaus größeren Lärm durch Autos gibt. Kinder sind das schönste, was es gibt. Foto: Röhe

Anwohner distanzieren sich von Klägern

Von Matthias Röhe
St. Georg. Autohupen, Hubschrauber, LKW, Martinshörner von Einsatzwagen des umliegenden Krankenhauses – Lärm sind die Anwohner der Langen Reihe eigentlich gewohnt. Da sollten menschliche Geräusche – vom jährlichen Christopher Street Day abgesehen – nicht groß ins Gewicht fallen. Erst recht nicht von Kindern. Genau um die geht es allerdings in einem Nachbarschaftskonflikt, der laut Hamburger Abendblatt inzwischen sogar bei Gericht gelandet ist (Aktenzeichen: 303 O 313/12). Eigentümer in einem Gebäudeensemble an der Langen Reihe haben gegen das Kindertagesheim St. Marien (Dom-Gemeinde) Klage eingereicht.
Mehrere Bewohner sollen den Lärm der Kinder beklagen, der vom Außengelände des Kindertagesheims St. Marien und dem Pausenhof der Nebenstelle der Domschule St. Marien ausgehen soll. Eine offizielle Stellungnahme gibt es auf Nachfrage des WochenBlatts weder von Wohnungseigentümern, noch von deren Rechtsbeistand, Rechtsanwalt Helmut Voigtland.
Träger des Kindertagesheims und der Schule ist die Katholische Domgemeinde St. Marien. Sie wird von Rechtsanwalt Peter Dickstein vertreten.
Auch von dessen Kanzlei war nur „Kein Kommentar“ zu hören. Einen deutlichen Kommentar hingegen gibt dagegen Dompfarrer Georg von Oppenkowski in einem Elternbrief: „Die wichtigsten Leute, unsere Kinder, werden bei uns weiterhin verlässlich montags bis freitags von 6 bis 18 Uhr betreut. Selbstverständlich werden im Rahmen der Betreuung alle Räumlichkeiten, das Außengelände und die umgebenen Spielplätze, wie bisher, genutzt. Eine Reduzierung der Kitaplätze steht nicht zur Debatte.“ In der Klageschrift sollen laut Hamburger Abendblatt Maßnahmen aufgezählt sein, zu denen das Landgericht die Kirchengemeinde verurteilen soll: maximal 80 statt bisher 127 Plätze, die Grundstücksgrenze zur Langen Reihe 82 soll mit Lärmschutzeinrichtungen versehen werden – und der Spielplatz der Domschule soll verlegt werden.
Kein Verständnis
für den Streit
„Ich bin selbst Vater von zwei Kindern. Es gibt nichts Schöneres, als wenn Kinder draußen spielen. Dazu gehört auch Lärm – Kinder geben nun mal Laute von sich“, sagt Uwe Machinia. Der 51jährige arbeitet unweit der Kindertagesstätte entfernt und ist der Meinung, dass weitaus größeren Lärm durch Autos verursacht wird . „Selbst meine Schuhreparaturmaschine macht mehr Lärm“, erklärt Uwe Machinia schmunzelnd. Simon Morandini (23) ist ähnlicher Meinung. Er verkauft in einem Geschäft Bücher und Unterwäsche. Es liegt nur wenige Meter von der KiTa entfernt.
„Wir bekommen vom Kinderlärm gar nichts mit. Das Geld, dass beide Parteien für ihre jeweiligen Anwälte ausgeben, könnten sie vielmehr in Spielgeräte der Kinder investieren“, ergänzt Simon Morandini, gelernter Rechtsanwaltsgehilfe. Eine Inhaberin einer kleinen Boutique meint: „Wer Kinderlärm nicht hören will, sollte aufs Land ziehen! In einer Großstadt wie Hamburg gehört es einfach dazu.“ (mr)
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