Kennedybrücke - Eine Brücke ist kein Zuhause

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Die Presse spricht von einem "Brandanschlag" (Mopo 13. Mai 2013 / Foto mit TM350 von MaxBryan.com)
- Erlebnisbericht zu den Vorfällen an der Kennedybrücke im Mai 2013 -

In der Nacht zum 11. Mai 2013 brannten unter der Kennedybrücke mehrere Zelte ab und die dort ansässigen Obdachlosen verloren ihre wenigen Habseligkeiten.

Glücklicherweise wurde niemand verletzt und der Fall macht wieder einmal deutlich: Obdachlose sind hier und überall schutzlos Gewalt und Kriminalität ausgeliefert, wissen auch die Kollegen vom Hamburger Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot zu berichten, die zu dem Treffen aufriefen.

Aktuell leben in Hamburg rund 5.400 Menschen ohne Wohnung auf der Straße oder in öffentlichen Unterbringungen. Weitere 255 in stationären Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe und viele Menschen in sogenannter "verdeckter Obdachlosigkeit". "Zur Zeit befinden sich mehr als 700 Menschen auf der Warteloste für einen Platz in der öffentlichen Unterbringung", so eine Bekanntmachung der AHH e.V., ein Verein und Zusammenschluss von freien Trägern der Wohnungslosenhilfe und Wohlfahrtsverbände und gern gebe ich diesen Aufruf weiter, der da lautet: Setzen Sie sich dafür ein, dass auch in Ihrer Nachbarschaft neue Einrichtungen zur Unterbringung obdachloser Menschen gebaut werden können!

Solche Unterkünfte bieten Schutz und ermöglichen den Menschen zu Ruhe zu kommen und leider fehlen immer noch ausreichend Unterbringungsmöglichkeiten für Obdachlose in Hamburg. Das Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot fordert deshalb:

1.) Alle obdachlosen Menschen müssen unabhängig von Status und Herkunft mit angemessenen Unterkünften versorgt werden. Ganzjährig müssen ausreichende Unterkünfte zur Verfügung stehen. Die Lebensbedingungen in den Unterkünften müssen verbessert werden, z. B. durch mehr Einzelzimmer in kleinen dezentralen Einrichtungen.

2.) Hamburg braucht schnelle und wirkungsvolle Maßnahmen gegen Wohnungsnot - ein Konzept das Obdachlosigkeit wirkungsvoll reduziert.

3.) Die Hamburger Wohnungsunternehmen, insbesondere SAGA GWG müssen mehr Wohnraum für obdachlose Menschen bereit stellen.

4.) Der soziale Wohnungsbau muss in allen Stadtteilen ausgeweitet werden. Jährlich fallen doppelt so viele Wohnungen aus der Sozialbindung wie durch die Wohnungsbauoffensive gebaut werden sollen.

Soweit die Forderungen des AHH e.V. und ich möchte dem noch etwas hinzufügen. Seit Jahren - und das ist meine eigene Erfahrung - gibt es kein hinreichende Möglichkeit, tagsüber sein Gepäck zu "bunkern", d.h. Rucksack und Schlafsack-Utensilien unterzubringen, die man tagsüber nicht zwingend benötigt.

Zwar gibt es den "Stützpunkt", aber die ist nur wenig flexibel was Öffnungszeiten anbelangt und die Anzahl der Schließfächer ist viel zu gering und auch stets überlastet. Ein Sozial-Depot wäre die Lösung. Eine zentral gelegene Schließfach-Station, wo Obdachlose tagsüber ihre Sachen unterbringen und auch mal über Nacht einschließen können. Denn gerade nachts, schläft man wesentlich ruhiger, wenn man keine Angst um seine Sachen haben muss und was eingeschlossen ist, kann auch nicht abbrennen.

Dies noch als Ergänzung und zur Anregung.

Am Tag darauf bin ich selbst hin und machte ein paar Aufnahmen.

Andy, vom gegenüberliegenden Ufer, wurde vom Feuer geweckt und kann das immer noch nicht begreifen. Wer macht so was?

Tage später stellte sich heraus, dass ein 17-Jähriger die Zelte angesteckt hatte, aus "Rache", wie es heißt und offenbar gab es Streit zuvor mit den Obdachlosen unter der Kennedybrücke.

In den Tagen danach dann eine friedliche Demo mit Transparenten auf denen stand: "Eine Brücke ist kein Zuhause" und "Ende der Wohnungsnot sofort!".

Stephan Karrenbauer, Sozialarbeiter bei "Hinz und Kunzt" fand klare Worte: "Platte machen ist kein Campingurlaub" und forderte Wohnraum für "Alle".

Bettina Reuter, V.i.S.d.P. bei AHH e.V. unterstreicht ihre Forderung zur Schaffung menschenwürdiger Unterkünfte für alle obdachlosen Menschen der Stadt.

Viele Menschen kamen an diesem Tag und erklärten ihre Solidarität mit den Obdachlosen von der Kennedybrücke.
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