KIDS eine Chance geben

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Verena Lüers und Burkhard Czarnitziki mit Trietze, Lukas und Oxana (v. l.) Foto: Haas

Neues Projekt in St. Georg gestartet – Anlaufstelle für Straßenkinder droht Obdachlosigkeit

Von Waltraut Haas
St. Georg
Die Räume von KIDS, der Anlaufstelle für Straßenkinder am Heidi-Kabel-Platz 2, waren rappelvoll. Zur Eröffnung des Projekts „Momo“ am vergangenen Freitag mussten die zahlreichen Gäste hierher ausweichen. Denn das neue Momo-Büro in der Ernst-Merck-Straße 14 war dem Ansturm nicht gewachsen. Burkhard Czarnitziki, der als Leiter der Jugendsozialarbeit im Verein „Basis und Woge“ für das KIDS verantwortlich zeichnet, hatte sich für die Beschäftigung von Patricia, genannt „Trietze“, Lukas und Oxana eingesetzt. Die drei jungen Leute seien Profis auf ihre Art: Sie hätten selber schon auf der Straße gelebt und deswegen einen speziellen Draht zu den Jugendlichen. In seiner Begrüßungsrede dankte Czarnitzki zunächst „für die unglaublich vielen offenen Türen in Behörden und Verbänden“. Das neue Projekt sei erstaunlich schnell bewilligt und seine künftige Unterstützung gesichert worden. „Mit unserer Erfahrung sind wir einfach näher dran“, sagt Lukas. Beschäftigt im Bundesfreiwilligendienst wollen sie künftig eine Mittlerrolle übernehmen. „In erster Linie wollen wir jungen Leuten helfen. Wir führen mit ihnen Gespräche – anonym und vertraulich. Wir greifen ihre Probleme auf und agieren als Sprachrohr“, erklärt Trietze. „Und wir können Jugendlichen eine Stimme geben, die sonst nicht gehört werden“, ergänzt Oxana. „So zeigen wir, was in der Jugendhilfe gut und was schief läuft.“ Das Hamburger Trio arbeitet künftig eng mit der pädagogischen Anleiterin Verena Lüers zusammen. Gemeinsam mit einer Gruppe in Berlin gaben sie sich als die „ständige Vertretung der Straßenkinder“ einen neuen Namen: „Momo – the Voice of Disconnected Youth“. Pate stand dabei das Mädchen Momo, die Romanfigur von Michael Ende, die gut zuhören und andere trösten kann. Unter den Gratulanten: Betroffene und Freunde, private Förderer und Unterstützer aus Behörden und Verbänden. Sichtlich erfreut begrüßte auch Sozialsenatorin Dr. Melanie Leonhard das Momo-Trio: „Sie verfolgen einen tollen neuen Ansatz. Keiner kennt so gut die Perspektive derjenigen, über die wir oft nur reden können.“ Im Buch „Momo“ spiele die Zeit eine Rolle. „Die wollen wir nicht verschwenden mit Formalitäten, sondern zum Austausch nutzen“, versprach die Senatorin. KIDS-Leiter Czarnitzki erinnerte zudem an ein Problem, das die Feier überschatte: Die bislang ungeklärte Raumfrage wegen einer Kündigung. Denn am 1. Oktober werde KIDS selbst obdachlos. Seit 23 Jahren erreicht das KIDS jährlich 400 bis 500 junge Menschen aus der Straßenkinder-Szene und müsse als Anlaufstelle dringend in der Nähe des Hauptbahnhofs bleiben, so die Forderung.

Weitere Infos: www.basisundwoge.de/angebote/kids; Momo-Büro, Ernst-Merck-Straße 14,
Telefon 284 733 84 oder info@momo-buero.hamburg
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