„Kids“ sucht neuen Standort in St. Georg

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Transparente am Heidi-Kabel-Platz erinnern an die Besetzung der Kids-Räume Foto: wh

Hamburgs Straßenkinder-Projekt fordert Container als vorübergehende Notlösung

St. Georg Nur ein mit Transparenten bestückter Bauzaun erinnerte an den Protest der Jugendlichen: Am vergangenen Freitag hatten mehrere Jugendliche versucht, die Schlüsselübergabe des ausziehenden Straßenkinderprojekts Kids am Heidi-Kabel-Platz an den Vermieter zu stören. Bei der Aktion schlüpften sie in die alten Räume im Bieberhaus und ketteten sich mit Schlössern aneinander. „Kids bleibt“ oder „Sozialaufbau von unten statt Sozialabbau von oben“ forderten ihre Transparente. „Bieberhaus zurück in städtische Hand“ wünschte ein weiteres, das den Verkauf an Alstria vor zehn Jahren zurückdrehen will. Kids steht für „Kinder in der Szene“ und war als ein Projekt der Straßensozialarbeit des Trägers Basis und Woge seit 1993 im Bieberhaus tätig, unterstützt seitdem Jugendliche, die ohne Zuhause auf der Straße leben. „Die Besetzung endete gegen 17 Uhr mit einer friedlichen Räumung durch die Polizei“, erklärte Alstria-Sprecher Ralf Dibbern. Den Akt der Teenies könne er nicht nachvollziehen. Mit Ablauf des Mietvertrags seien die Räume mit Protokoll und Schlüssel fristgerecht übergeben worden. Jetzt beginne in diesem Trakt des Bieberhauses eine grundlegende Sanierung mit kompletter Entkernung über zwei Jahre. Zuvor war schon das Finanzamt ausgezogen. Im Juli schloss auch der Paritätische seine Anlaufstelle für Transit-Flüchtlinge in der ersten Etage, die der Wohlfahrtverband seit Oktober vergangenen Jahres mietfrei betrieben hatte. Seit einem Jahr unterstütze Alstria das Straßenkinder-Projekt bei der Suche nach einer neuen Unterkunft, betont Dibbern. Das Immobilienunternehmen übernehme zudem die Umzugskosten. Unterstützung kommt auch von der Sozialbehörde: Mit jährlichen Zuwendungen von rund 700.000 Euro für Deutschlands größtes Straßenkinder-Projekt. Die Suche nach langfristig nutzbaren Räumen werde ebenfalls unterstützt. „Die Sozialbehörde hat ein hohes Interesse daran, dass das Kids weiterarbeiten kann“, erklärt deren Sprecher Marcel Schweitzer. Am Geld solle es nicht scheitern. „Wir haben beim Bezirksamt Mitte als Notlösung einen Stellplatz für acht Container am Holzdamm, Ecke Ernst-Merckstraße beantragt“, sagt Kids-Leiter Burkhard Czarnitzki und wartet noch auf die Genehmigung. Bis dahin könne sein Team lediglich verstärkte Straßensozialarbeit leisten. Sollte dieses Provisorium nicht genehmigt werden, stünde lediglich eine „Not-Notlösung“ an der Ernst-Merckstraße bereit. Norman Cordes, Sprecher des Bezirksamtes Mitte, gibt sich indessen zuversichtlich. „Der Antrag für den Stellplatz Holzdamm lag uns erst seit kurzem vor. Wir hoffen, noch im Laufe dieser Woche eine Genehmigung erteilen zu können.“ Seit über einem Jahr bemüht sich der Träger Basis und Woge um andere Räume in der Nähe des Hauptbahnhofs, bislang erfolglos. (wh)
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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 18.10.2016 | 15:00  
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