Leere Reihe statt Lange Reihe

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Verlassene Geschäfte werden in der Langen Reihe zum gewohnten Anblick Fotos: Grell

Anwohner und Einwohnerverein besorgt über Entwicklung

St. Georg. Wer die Lange Reihe hinuntergeht, wird viele mit Packpapier beklebte Schaufenster entdecken. Das liegt nicht daran, dass hier die Ausstellungsflächen neu gestaltet werden. Für viele alteingesessene Geschäftsleute waren es die Mieterhöhungen, die zur Geschäftsaufgabe führten.

Abwanderung

Was mit Jürgen Wohlers von der gleichnamigen Buchhandlung und dem hundert Jahre alten Kräuterhaus begann, setzte sich mit dem kleinen Eisenbahnladen, Tausend Töpfe, einem Bettenfachgeschäft und der Tiede-Buchhandlung fort.
Fast in jeder Woche wird ein neuer Leerstand im Viertel gemeldet vor ein paar Monaten eröffnete Geschäfte verschwinden schnell wieder.
„Die Zeit der verlässlichen Kolonialwarenläden im Stadtteil scheint endgültig vorbei zu sein“, bedauert der Einwohnerverein, der sich für den Erhalt kleiner Unternehmer einsetzt. „Die Tatsache, dass fast ein halbes Dutzend Ladenlokale auf der Langen Reihe schon seit Monaten leer stehen, unterstreicht den Fakt, dass die Spekulanten sich offenbar überhoben haben“, vermutet Michael Joho vom Einwohnerverein, der sie kommerzielle Situation im Stadtteil genauestens verfolgt. Dass die St. Georger nicht jede Trend-Bewegung mitmachen ist hier ganz deutlich zu spüren. Neue Cafés haben es schwer, Gäste zu gewinnen und auch den Touristen, die im Stadtteil nachfragen, werden immer zuerst die Läden empfohlen, an denen das Herz der St.Georger hängt.
Wer nun als neuer Mieter in die frei gewordenen Ladenlokale einziehen möchte, das unterliegt entweder einem großen Geheimnis, vorschnellen Gerüchten oder tatsächlichen Plänen, die bereits in den Schaufenstern angekündigt werden. Der Nachfolger des ehemaligen Tausend-Töpfe Fotogeschäftes ist noch unbekannt. Der zunächst verlangte Mietpreis soll allerdings bereits beträchtlich abgesenkt worden sein. Die Wohlers Buchhandlung wird zum Teeparadies und dort, wo bisher Angelos teure Kleidung verkaufte, soll nun Wonderland einziehen. Das einstige Gerücht, Douglas werde hier einziehen, ist somit endgültig vom Tisch. Tom Trogisch, der bereits ein Geschäft schräg gegenüber des ehemaligen Angelos betreibt, hat sich die Chance, hier ein zweites Standbein aufzubauen, nicht entgehen lassen. Was Wonderland allerdings anbietet, will er bisher nicht sagen.
Engagierte Anwohner, die an ihrem Stadtteil interessiert sind, überlegen sich derweil, welches der Neueröffnungen wohl als nächstes das Aus trifft. „Ich wünsche mir endlich eine Bezirkspolitik, die Schluss macht, mit immer neuen Kneipen, Cafés und Restaurants und der Außengastronomie enge Grenzen aufzeigt, so Michael Joho. Sehr optimistisch sei er allerdings nicht, denn die aktuellen Entwicklungen zeigen einen „Trend in Richtung kulinarischer Vergnügungsmeile“, so eine Anwohnerin, die auch im Sommer wegen des Lärms nicht bei offenem Fenster schlafen kann. Rita Rosenzweig, ehemalige Angestellte des aufgegebenen Kräuterhauses, wünscht sich etwas anderes: ein Fischgeschäft oder einen Schuhladen. Der Mix könnte es richten. (kg)
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