Lessing kehrt zurück zum Gänsemarkt

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Das Lessing-Denkmal schwebt über den Gänsemakt, aus Bürofenstern neugierig beäugt Foto: ch

Bronzestatue auf Sockel installiert. Bauarbeiten ruhen zum Weihnachtsmarkt

Hamburg-Neustadt Nun sitzt er wieder, nach 31 Jahren, genau dort, wo er 1881 hingesetzt wurde: Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781), bahnbrechender Dramatiker und Denker der Aufklärung mit kurzer aber intensiver Wirkungszeit in Hamburg (1767-1769). Im Rahmen des Umbaus des Gänsemarkts durch den hiesigen BID (Business Improved District), einer Initiative der Geschäftsleute dieses Platzes und Umgebung (das WochenBlatt berichte), wurde das Lessing-Denkmal abgebaut und nun wieder an seinen alten Platz versetzt. In knapp einer Stunde wurde die rund eine Tonne schwere Bronzestatue aus einem Container gehievt und auf den neugegossenen Sockel in der Mitte des Platzes gesetzt. Dort war das Denkmal des Berliner Bildhauers Fritz Scharper am 8. September 1881 schon einmal feierlich enthüllt worden. Der damalige Bürgermeister Gustav Heinrich Kirchenpauer hielt die Festrede. Man legte Kränze nieder und hisste Fahnen. Auf extra zu diesem Anlass erbauten Tribünen verfolgten viele Gäste die Veranstaltung, die dafür Eintrittskarten erwerben mussten.

Im Krieg vergraben


1943 holten alliierte Fliegerbomben Lessing vom Sockel. Das Denkmal wurde in Einzelteile zerlegt im Heiligengeistfeld vergraben und 1955 wieder aufgestellt. Beim Umbau des Gänsemarktes 1985 rückte Lessing einige Meter nach Süden Richtung Gerhofstraße, wo er bis Oktober dieses Jahres stand. Nun schaut er wieder auf seine alte Wirkungsstätte, das Deutsche Nationaltheater an der Nordostseite des Gänsemarkts, an dem der Dichter ab 1767 als Dramaturg wirkte. Im selben Jahr wurde hier eines seiner bekanntesten Stücke, die Komödie „Minna von Barnhelm“, uraufgeführt. Schon Ende 1768 musste das Theater aus finanziellen Gründen schließen. Lessing ging ein Jahr später als Bibliothekar nach Wolfenbüttel. Die kurze Zeit in Hamburg war für ihn eine sehr gesellige und kreative, vom Austausch mit Geistesgrößen seiner Zeit, Herder, Claudius, Klopstock und vom Abfassen der Hamburgischen Dramaturgie geprägt, in der er die Grundlage des bürgerlichen Dramas entwarf.

Pause für Weihnachtsmarkt


Der Umbau des Gänsemarkts kann in diesem Jahr nicht mehr abgeschlossen werden. Farblich nicht wie bestellt ausgeführte Gehwegplatten, grau statt gelblich, sind der Grund. „Die ABC-Straße und die Fahrbahn des Gänsemarkts dorthin werden noch in diesem Jahr fertig“, prognostiziert Sebastian Binger vom Aufgabenträger Otto Wulff der BID Gesellschaft. Ab Mitte November ruhen die Bauarbeiten für den Weihnachtsmarkt, der dann hier aufgebaut wird. Wenn kein Frost kommt, könnte der Umbau des Gänsemarkts ab Anfang 2017 in drei Wochen abgeschlossen sein. Es folgen Umbauten in der Gerhof- und in der Poststraße zwischen Gerhofstraße und Hohe Bleichen. Im Sommer 2017 sollte dann der gesamte Umbau beendet sein. (ch)
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