Mühlenschleuse: Wanderhilfe für Fische

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Fische wandern durch miteinander verbundene Tröge auf- oder auch abwärts Foto: Timm

Fische können nun bis nach Fuhlsbüttel gelangen. Kosten: 1,5 Millionen Euro

Von Frank Berno Timm
Altstadt
Umweltsenator Jens Kerstan hat am Mittwoch eine neu fertiggestellte Fischwanderhilfe an der Mühlenschleuse in Betrieb genommen. Damit können Fische wieder zum Laichen von der Elbe in die Alster ziehen. Drei weitere Passagen sollen bis 2019 folgen. „Das ist ein großer Moment“, sagt Umweltsenator Jens Kerstan am Mittwochvormittag. Der Politiker steht unterhalb des Großen Burstah auf einem Metallsteg, um die Fischwanderhilfe in Betrieb zu nehmen. Seit Jahrhunderten sei es für Fische nicht mehr möglich gewesen, von der Elbe in die Oberläufe der Alster zu wandern – Schleusen und Sperrwerke blockieren den Weg. Mit der „Fischwanderhilfe“, die Kerstan in Betrieb setzt, können Stichlinge, Aale und später auch Forellen wieder anfangen, zu wandern und in den Oberläufen laichen. Jetzt sind diese Fischtreppen bis Fuhlsbüttel komplett, Poppenbüttel, die Mellingburger Schleuse und Wohldorf sollen bis zum Jahr 2019 folgen. Bauleiter Karsten Wienert erläutert, dass das neue Bauwerk 1,90 Meter Höhenunterschied tiedeabhängig überwindet. Helmut Ramers, Wasserfachmann in der Umweltbehörde, sagt, dieses Bauwerk, das 1,5 Millionen Euro gekostet hat, sei Folge der EG-Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000, die eine biologische Durchgängigkeit der Gewässer verlange. Zusammen mit der Rathausschleuse, an der auch so ein Bauwerk für 1,2 Millionen Euro errichtet wurde, sei fast die Hälfte des entsprechenden Budgets verbraucht worden. Dass seit der Richtlinie rund 16 Jahre ins Land gegangen sind, ist Ramers‘ Angaben zufolge nicht ungewöhnlich. Der Geograph weiß, dass nicht nur Fische die Wanderhilfe nutzen werden, auch kleine Tiere werden die Becken mit der Zeit besiedeln. Dass sich die Investitionen lohnen, mag daran abzulesen sein, dass laut Ramers schon jetzt 30 Fischarten in der Alster leben. Nun kämen Wanderfische dazu, sagt Ramers. Die Bauarbeiten unterhalb der „neuen Burg“ (das frühere Hochhaus einer Versicherung in unmittelbarer Nachbarschaft) wurde vom Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer ausgeführt. Geschäftsbereichsleiter Olaf Müller macht zur Eröffnung auch deutlich, dass das Projekt angesichts des knappen Platzes an der Mühlenschleuse eine besondere Herausforderung sei. Die Fische werden von einer Leitströmung in die Anlage gezogen. Sie wandern durch miteinander verbundene, wasserdurchströmte Tröge weiter – die Treppe ist, wie Helmut Ramers erläutert, in beide Richtungen benutzbar.
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