„Neuer“ Musiksaal im Besenbinderhof

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Einsatz für alte Pracht mit neuer Nutzung: Heinrich J. „Schü“ Schümann betreibt zielstrebig die Rekonstruktion des Musiksaals Fotos: Hanke

Gewerkschaft entdeckt ihre Geschichte und restauriert einen ganz besonderen Raum

St. Georg. Der Stuck ist wieder sichtbar, ebenso die Wandgemälde, Friese. Überall wird gearbeitet. Der 312 Quadratmeter große und 8,70 Meter hohe Musiksaal im Gewerkschaftshaus am Besenbinderhof ist derzeit eine große Baustelle. Aber er ist wieder zu erkennen in seiner alten Pracht. Jahrzehntelang war er wie der benachbarte Neue Saal in Büros und kleine Konferenzräume aufgeteilt. Die gewölbte stuckverzierte Decke des Musiksaals war abgehängt. Spätestens nach einem Umbau 1991 war nichts mehr zu sehen von diesem Zentrum des Gewerkschaftshauses, in dem sich Geschichte und Kultur der Hamburger Arbeiterbewegung abgespielt hatten. Bereits 1976 war der Theatersaal des Gewerkschaftshauses, in dem bis in die 1970er Jahre das Theater am Besenbinderhof spielte, abgebrochen worden. Der Große Saal im ältesten Teil des Gewerkschaftshauses, der rund 2000 Menschen fasste, existierte da schon lange nicht mehr. Diese Säle waren einst heiß begehrt. Gewerkschaften und andere Einrichtungen der Arbeiterbewegung veranstalteten hier Kongresse, Tagungen und viele Festivitäten. Das 1906 eingeweihte Gewerkschaftshaus war jahrzehntelang der vielleicht wichtigste Treffpunkt Hamburger Arbeiter. Doch mit der nahezu vollständigen Zerstörung von Hammerbrook im Zweiten Weltkrieg, dem an das Gewerkschaftshaus angrenzenden größten Hamburger Arbeiterviertel, und der langsamen Auflösung der Arbeiterklasse in der Nachkriegszeit verlor der große, 1913 erweiterte Bau am Besenbinderhof immer mehr seine Treffpunktfunktion. Doch 2006 zum 100-jährigen Bestehen des Hauses besann man sich der Vergangenheit. Der Grund war rein technischer Art. Neue Brandschutzauflagen mussten erfüllt werden. Das führte zu der grundsätzlichen Frage: Investieren wir in das alte Haus oder geben wir es auf? Die Entscheidung fiel zugunsten des Altbaus. „Dabei haben wir das Haus entrümpelt und beschlossen, den Musiksaal wieder in seiner ursprünglichen Form zu rekonstruieren“, erzählt Heinrich J. Schümann, den sie hier alle nur „Schü“ nennen. Der frühere DGB-Bildungsreferent ist eine Institution im Gewerkschaftshaus. Irgendwann hat Schü „Geschichte gerochen“ und sich intensiv mit der Historie des Hauses beschäftigt. „Ich habe hier so viel bekommen. Ich möchte der Stadt und den Gewerkschaften etwas zurückgeben“, erzählt Schümann, der sich mit Leib und Seele für die Rekonstruktion des Saals einsetzt. Damit im Gewerkschaftshaus wieder ein zentraler Versammlungstreff entsteht. (ch)
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