Neuer Ort des Gedenkens

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Das Dokumentationszentrum (rechts) in der Linie der künftigen Bebauung Am Lohsepark. Im Vordergrund die quer durch den Lohesepark verlaufende „Fuge“ Entwurf: Wandel Lorch Architekten
 
Die letzten Gleise des Hannoverschen Bahnhofs neben dem Damm der Fernbahntrasse Repro: Hanke

Ehemaliger Hannoverscher Bahnhof: Deportationen werden dokumentiert

Von Christian Hanke
HafenCity
Die Planung für das Gedenken an die mindestens 7.692 Juden, Sinti und Roma, die vom Hannoverschen Bahnhof in die nationalsozialistischen Vernichtungslager transportiert wurden, ist abgeschlossen. Der Entwurf für ein Informations- und Dokumentationszentrum über das Schicksal der zwischen 1940 und 1945 deportierten Menschen in der Nähe des früheren Hannoverschen Bahnhofs am künftigen Lohsepark wurde jetzt vorgestellt. Damit ist entschieden, wie das dritte Element des „Denk.mal Hannoverscher Bahnhof“ aussehen wird. Die ersten beiden Elemente werden der eigentliche Gedenkort, ein unter Denkmalschutz stehendes Relikt des Bahnsteigs 2 und die „Fuge“ sein, die durch den Lohsepark entlang des historischen Gleisverlaufs bis zum Bahnsteig führt.
Das rund 700 Quadratmeter große Dokumentationszentrum wird sich im Erdgeschoss eines siebengeschossigen Bürohauses mit einer Bruttogeschossfläche von 6.100 Quadratmetern befinden, das gegenüber dem Lohsepark an der Ecke der Straßen Am Lohsepark und Steinschanze auf einem Grundstück stehen wird, das im Sommer 2015 aus dem Sondervermögen Stadt und Hafen durch die HafenCity Hamburg GmbH erworben worden war. Den Architekturwettbewerb für das Bürohaus, an dem sich neun Büros beteiligt hatten, gewannen die Wandel Lorch Architekten aus Frankfurt und Saarbrücken. Oberbaudirektor Jörn Walter und die Jury beeindruckten an dem Siegerentwurf die Schlichtheit des Entwurfs und die farbliche und gestalterische Abhebung des Erdgeschosses von den übrigen Stockwerken.

Rational und lebendig


„Der Entwurf ist rational, aber lebendig durch die plastische Prägung der Fassade im Erdgeschoss, in dem das Dokumentationszentrum untergebracht ist“, ergänzte Architekt Wolfgang Lorch. „Die Ausgangsfrage war: Wie bekommen wir die Thematik der Erinnerung an die Gräueltaten des ‚Dritten Reiches‘ in die nächste Generation transportiert?“, berichtete Jörn Walter. Seine Antwort lautet: „Durch normale Zugänglichkeit. Durch nicht zu viel Psychologie. Nicht überziehen.“
Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme wird das Dokumentationszentrum betreiben. Sein Kernelement wird eine Dauerausstellung über die Deportationen vom Hannoverschen Bahnhof sein. Das Gebäude soll an einen Träger verkauft werden, der die Verpflichtung zum Betreiben des Dokumentationszentrums im Erdgeschoss einhält. Das Zentrum bleibt für die nächsten 100 Jahre im Besitz der Stadt. „Das ökonomische Risiko soll jemand anderes tragen“, sagte Jürgen Bruns-Berenteig, Geschäftsführer der HafenCity GmbH, bei der Vorstellung des Entwurfes für das Dokumentationszentrum, in Bezug auf das ganze Gebäude. Ein Bauantrag für den Neubau wird voraussichtlich erst 2017 gestellt. Ein Datum der Fertigstellung ebenso wie die Baukosten können deshalb noch nicht genannt werden.

Opferverbände reden mit


In die Planung des gesamten Gedenkortes Hannoverscher Bahnhof und in die Planung des Betriebs des Dokumentationszentrums werden nämlich neben Vertretern der Hamburger Politik und der Kulturbehörde auch die Opferverbände, die Jüdische Gemeinde, die Roma und Cinti Union, der Landesverband der Sinti und das Auschwitz-Komitee sowie das Museum für Hamburgische Geschichte, das Institut für die Geschichte der Deutschen Juden, die Landeszentrale für Politische Bildung und die KZ-Gedenkstätte Neuengamme miteinbezogen. Vermutlich wird eine Besichtigung keinen Eintritt kosten. Nur für „zusätzliche Leistungen“ wie Gruppenführungen würden wohl Entgelte genommen werden, sagte Detlef Garbe, der Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Während die Eröffnung des Dokumentationszentrum noch in weiter Ferne liegt, wird auf dem Gelände des früheren Hannoverschen Bahnhof schon an der 5,50 Meter hohen „Fuge“ gearbeitet, die am 9. Juli fertiggestellt sein soll. Auf dem derzeit wüsten früheren Bahnhofsgelände erinnern nur noch einige Gleise und der Rest eines Bahnsteigs an die frühere Nutzung.
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