Neuer Straßenname?

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Parsival von Pallandt brachte den Stein ins Rolle. Hier steht er vor der künftigen Julius-Fressel-Straße, die nun Dorothea-Bernstein- Straße heißen könnte.

Statt an NS-Anhänger könnte nun an Jüdin erinnert werden

Von Christian Hanke
Uhlenhorst Wird es nun doch keine Julius-Fressel-Straße geben? Der Hauptausschuss der Bezirksversammlung Nord hat in dieser Debatte eine Wende eingeläutet.
Die bislang noch unbewohnte Straße auf dem früheren Gelände der Frauenklinik Finkenau war 2010 nach deren früherem Direktor Fressel benannt worden. Jetzt beschloss der Ausschuss, dass die Straße künftig nach Dorothea Bernstein benannt wird. Hintergrund ist, dass Fressel offenbar ein Anhänger der Nazis war. Dorothea Bernstein hingegen war eine jüdische Lehrerin, die von 1927 bis 1933 am heutigen Gymnasium Lerchenfeld unterrichtete. Sie wurde 1941 nach Lodz verschleppt, wo sie 1942 starb.

Protest von Bürgern

Wie berichtet, hatte ein aufmerksamer Hamburger den braunen Fleck auf dem weißen Kittel entdeckt. Parsifal von Pallandt, Wohn- und Stilberater aus Harvestehude, fand heraus, dass Fressel 1933 das Bekenntnis deutscher Professoren zu Hitler unterschrieben hatte - ohne berufliche Not, weil der frühere Klinikchef damals bereits pensioniert war. Seine Einwände beim für die Namensrecherchen zuständigen Staatsarchiv und bei der Kommunalpolitik blieben zunächst ungehört.
Dann berichtete das Hamburger Wochenblatt. In der Folge diskutierten die politischen Gremien die Benennung erneut, wollten einen Beschluss gerne bis nach der Bezirkswahl vertagen. Nun ging es doch schneller. Denn eine Bürgerin, die künftig in der geplanten Straße wohnen wird, hatte sich mit einer Eingabe an Bezirksamtsleiter Harald Rösler gewandt: eine Umbenennung sei wegen der „unklaren historischen Sachlage“ sinnvollerweise vor dem bevorstehenden Einzug der künftigen Anwohner vorzunehmen. Gegen die Stimmen der CDU - sie hatte den Namen Fressel damals vorgeschlagen - stimmte der Hauptausschuss jetzt für Röslers pragmatische Lösung: Der Dorothea-Bernstein-Weg, der bereits in die Fresselstraße einmündet, wird einfach über diese hinweg verlängert.
Allerdings: Eine Senatskommission mit Federführung in der Kulturbehörde muss nun endgültig darüber entscheiden, ob die Straße umbenannt wird. Das Staatsarchiv ist vehement dagegen. Laut einem internen Schreiben, das dem Wochenblatt vorliegt, befürchtet das Archiv einen Dammbruch. In Hamburg sind andere Straßen braune Machenschaften verstrickten Personen benannt. (ch)

Info:
Der frühere Klinikchef Prof. Dr. Julius Fressel hatte 1933 das „Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat“ unterschrieben. Dieser Umstand war Bezirksamt, Kommunalpolitikern und Kulturbehörde nicht bekannt gewesen. Da Fressel nicht Mitglied der NSDAP gewesen war, hatte das für Straßenbenennungen zuständige Staatsarchiv keine Bedenken gegen die Benennung. (ch)
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