Occupy-Camp ist umgezogen

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Das occupy-camp ist jetzt auf den Gertrudenkirchhof umgezogen und macht dort mit seinem Protest weiter, bis die Zeit der Kunsthandwerker und Weihnachtsmärkte vorbei ist.

Aktivisten jetzt auf dem Gertrudenkirchhof

Von Karen Grell
City. An die Aktivisten vom „occupy-camp“ auf dem Gerhard-Hauptmann-Platz haben sich die Passanten bereits gewöhnt. Die im Wind flatternden Zelte und die Banner, die sich gegen eine Welt voller Konsum aussprechen, sind kaum zu übersehen. Am 15. Oktober vergangenen Jahres, dem Tag der weltweiten Demonstrationen gegen die Macht der Finanzmärkte, ging es in Hamburg mit dem ersten Zelt vor der HSH-Bank los. Heute sind es mehrere Dutzend, die zum Camp gehören, das gut organisiert, seit fast einem Jahr funktioniert. „Ich bin schon vom ersten Moment an dabei“, erzählt ein Aktivist mit einem freundlichen Lächeln. Aus der Bevölkerung bekommen die Demonstranten viel Zuspruch, der Bezirk duldet sie. „Die Menschen werden langsam aufwachen“, da sind sich auch ein paar vorbeikommende Sympathisanten sicher. Trotz der wachsenden Akzeptanz musste das Camp nun vom Gerhard-Hauptmann-Platz auf den kleineren Gertrudenkirchhof umziehen. Und das ausgerechnet des Kommerzes wegen.

Der Kunsthandwerkermarkt steht an und anschließend der Weihnachtsmarkt. Da hieß es auch im vergangenen Jahr schon einpacken und umziehen für die vielen Aktivisten. Vertreiben lassen sie sich allerdings auf gar keinem Fall und nach dem Weihnachtsgeschäft soll es zurückgehen an den gewohnten Standort. Aus anfänglich wenigen Zelten ist heute ein richtiges Zeltlager mit Kräuterbeet, Versammlungszelt und Kirchenhütte geworden. Es gibt einen Umsonst-Laden, wo alles abgelegt und mitgenommen werden darf und einen Infostand, wo Protestler Auskunft darüber geben, warum sie sich der Bewegung angeschlossen haben. Dabei wollen die Aktivisten selbstkritisch vorgehen und zunächst aus eigener Kraft verändern, was ihnen veränderungswürdig scheint. Kritik gibt es dabei von den Occupy-Campern an vielen der bestehenden Grundlagen des Zusammenlebens, wie den ungleichen Bildungschancen, der ungerechten Verteilung des Reichtums, dem hohen Renteneintrittsalters gegenüber der Jugendarbeitslosigkeit, dem Umgang mit den Ressourcen der Natur und vor allem der Konsumgier und der Lust auf unendliches Wachstum einer Wegwerfgesellschaft. Viele Menschen, die in der City unterwegs sind, kommen mit den Aktivisten ins Gespräch. Nicht immer zur Freude der Geschäftstreibenden, denn im Camp gilt „weniger ist auf jedem Fall mehr“. Unter den Protestler befinden sich Menschen, die bei Banken arbeiteten und heute auf Markenprodukte, Computer und sogar das eigene Konto ganz bewusst verzichten. Die direkten Nachbarn der Occupy-Protestler stehen der Sache unterschiedlich gegenüber. Einige helfen wo sie können mit Stromversorgung, Toilettenbenutzung und Sachspenden, andere würden die Aktivisten gern vertreiben. „Wir machen weiter“, so die Menschen im occupy-Camp.
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