Papp-Lazarett ist passé

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Adriane (r.) und Joy helfen spontan am Hauptbahnhof bei der Versorgung der Flüchtlinge Foto: kg

Jetzt Zelte vor dem Hauptbahnhof. Ehrenamtler versorgen Flüchtlinge

City Der Platz vor dem Hauptbahnhof hat sich verändert. Wer jetzt in Richtung Schauspielhaus die Wandelhalle verlässt, sieht zuerst zwei große, weiße Zelte in denen jetzt Flüchtlinge betreut werden. Noch bis vor kurzem hatte direkt neben der Rolltreppe in der Wandelhalle ein Verschlag aus Pappe als Erste-Hilfe-Raum gedient. Die Hilfesuchenden können nun ins Zelt kommen und werden dort versorgt.
„Das war so nicht tragbar“, meint Ehrenamtler Phillip, „von der Rolltreppe aus konnte man direkt in den notdürftigen Behandlungsraum hineinsehen“. Maria ist mit ihrem kleinen Sohn seit 30 Tagen unterwegs. Von den Taschen, die sie von zuhause aus Afghanistan mitgenommen hatte, ist ihr nichts geblieben. Ausgeraubt, ohne eine einzige Dusche auf dem gesamten Weg und oft hungrig ist sie in Hamburg angekommen und sitzt auf einem wackeligen Campingstuhl neben dem Zelt. Eine Helferin reicht ihr ein kleines Versorgungspaket.

Not-Unterkünfte


Wo sie als nächstes hinfahren wird, weiß sie auch noch nicht. Für diese Nacht hat sie eine Matratze im Ohnsorg Theater bekommen. Auch das Deutsche Schauspielhaus hatte in der vergangenen Woche kurzfristig in seinen Räumen eine Notunterkunft für Flüchtlinge eingerichtet. Bis zu 60 Menschen hatten im Foyer des Malersaals geschlafen und in der Kantine etwas zu essen bekommen.
Die Zelte, in denen die Ankommenden jetzt mit belegten Broten, Wasser und immer wieder tröstenden Worten versorgt werden, sollen zunächst stehenbleiben.
Adriane und Joy gehören zu den ehrenamtlichen Helfern, die hier fast rund um die Uhr im Einsatz sind. Richtig organisiert und koordiniert wird die Hilfsaktion eigentlich von niemandem, und wer helfen möchte, kommt meist einfach vorbei und packt mit an.

Verdacht auf TBC


Die Ehrenamtlichen bitten die Anwohner aus dem Stadtteil St. Georg allerdings, keine Kleidung vorbeizubringen: „Es gibt keinen Platz zum Lagern“, so Adriane und Joy. Gern gesehen sind belegte Brötchen, Getränke, Obst und alles, was sofort verzehrt werden kann. Weder können die Helfer im Zelt kochen, noch gibt es Raum, etwas über einen längeren Zeitraum aufzubewahren. Mehrere Flüchtlinge vom Hauptbahnhof wurden am Montag mit Verdacht auf Tuberkulose ins UKE gebracht. Der Verdacht erhärtete sich nicht, sie wurden wieder entlassen. (kg)
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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 28.09.2015 | 09:14  
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