Polizeigewalt in Hamburg - Chronik einer Krise

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200 Stunden Recherche, 100 gesichtete Videos und das Ergebnis steht fest: Die Geschichte vom 21. Dezember muss neu geschrieben werden. (Foto: MaxBryan.com)
 
Über 600 Menschen wurden verletzt - Viele davon schwer ... (Foto: Max Bryan mit Einverständnis der abgebildeten Person)
 
Im Einsatz die neuen blauen Wasserwerfer - mit noch mehr Druck (Foto: MaxBryan.com)

Was im Dezember wirklich geschah ...


Ein Recherchebericht von Max Bryan

Es waren die schwersten Krawalle in Hamburg seit 20 Jahren. Was als friedliche Demo für den Erhalt der Roten Flora im Hamburger Schanzenviertel begann, endete in einem Desaster mit fast 700 Verletzten, 20 davon schwer. Wie konnte es dazu kommen? Und aktueller noch: Was kam danach?

Sonderrechtszonen, Polizeiwillkür, Gefahrengebiete, Ausnahmezustand. "Das Grundgesetz ist erledigt", sagte ein Polizist erst neulich noch vor laufender Kamera und eine Welle der Empörung schwappte durchs Land und auch weit darüber hinaus. US-Botschaften warnten vor Reisen nach Deutschland, internationale Medien berichteten über besorgniserregende Zustände in Deutschlands nördlichster Metropole und Hamburgs Politiker wirkten hilflos, denn am Ende blieb allen nur eine einzige Frage: Wer regiert eigentlich diese Stadt? Die Polizei oder das Parlament?


80.000 Menschen unter Generalverdacht. Die Bürgerschaft ist irritiert, fordert Aufklärung und Mitsprache und bleibt doch machtlos. Selbst der Bürgermeister kann nichts tun - die Polizei steht über allem. Sie darf alles und sie tut alles. Anwohner fühlen sich schikaniert, überwacht und gedemütigt. Ein Albtraum für die so freiheitsliebenden Menschen in der Stadt und die gute Nachricht ist - der Spuk ist vorbei - das Diktat hat ein Ende.

Mit Wirkung vom 13. Januar wurden sämtliche Gefahrengebiete aufgehoben - weit schneller als erwartet. Der öffentliche Druck war groß und auch die Demo vom 18. Januar dürfte ihren Anteil daran haben. Hamburgs Gesetz über die Gefahrengebiete, auf dessen Grundlage seit nunmehr acht Jahren drastische Eingriffe in elementare Freiheitsrechte der Bürger und Bürgerinnen stattfinden, gehört abgeschafft oder zumindest korrigiert! Es kann nicht angehen, dass die Hamburger Polizei machen kann was sie will!

Was mit dem 21. Dezember in Hamburg begann, MUSS Konsequenzen haben! Polizeiberichte wurden verfälscht in Umlauf gebracht, Tatsachen manipuliert und verdreht. Das Vertrauen in die Redlichkeit der Hamburger Polizei ist zu tiefst erschüttert. Neues Vertrauen wächst nur durch rückhaltlose Aufklärung aller umstrittenen Vorgänge und ich schlage vor, mit dem 21. Dezember zu beginnen.

Nachfolgender Recherchebericht zeigt die Chronologie der Ereignisse dieses Tages erstmals auch lückenlos und aus der Perspektive unbeteiligter, neutraler Augenzeugen, deren beweiskräftiges Material deutlich macht, dass die Geschichte des 21. Dezembers eine andere ist, als von Polizei und Senat bislang vertreten. Sämtliche Medien, die den ersten Polizeibericht vom 22.12. blind übernommen und/oder abgeschrieben haben, müssen eine Gegendarstellung drucken und/oder ihre Berichte korrigieren. Die darin beschriebene Darstellung ist nicht nur lückenhaft, sie ist auch falsch - und zwar was Uhrzeit und Reihenfolge der Ereignisse anbelangt.

I. Chronik der Ereignisse

(gemäß Augenzeugenbericht und Videobeleg)

Am 21. Dezember 2013 fand in Hamburg eine Demonstration für den Erhalt des besetzten Kulturzentrums Rote Flora, für ein Bleiberecht für Flüchtlinge, gegen Rassismus und Gentrifizierung, im Speziellen im Fall der Esso-Häuser statt. Schon kurz nach Beginn der Demonstration kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei, bei denen zahlreiche Personen verletzt wurden.

Laut Angaben der Polizei habe man den Aufzug gestoppt, nachdem die Beamten mit Gegenständen beworfen wurden. Spätere Erkenntnisse belegen jedoch das Gegenteil.

Zeugen berichten:

Video 1: --> http://www.youtube.com/watch?v=uKBzzygVRZ0

Video 2: --> http://www.youtube.com/watch?v=rvQGQhxfDhc

Beide Videos zeigen ein und dieselbe Situation aus verschiedenen Blickwinkeln.

Das 1. Video zeigt die Chronik der Ereignisse ungeschnitten und zwar von der ersten Minute vor dem Starten der Demo bis zum 1. Einsatz des Wasserwerfers und Danke an den Kameramann (wer immer Sie sind) für diese lückenlose Dokumentation der Ereignisse vor Ort. Das Video dieses Mannes zeigt den kompletten Verlauf zu Beginn der Konfrontation zwischen Polizei und Demonstranten und wird von dem Mann, der die Kamera bedient aus dem "Off" auch kommentiert. Seine Bilder und seine Worte zeigen eindeutig, dass die bisherige Darstellung der Polizei und der Medien nicht stimmt!

Der offizielle Polizeibericht sowie ein N24-Interview mit Polizeisprecher Mirko Streiber sagt aus, Zitat: "Die Demonstranten haben uns beworfen und daraufhin wurde die Demonstration gestoppt". (Quelle: N24) Das Video und der Kommentar der Amateur-Kamera vor Ort zeigt aber genau das Gegenteil, nämlich, dass die Demonstranten losliefen (angeblich zu früh) und deshalb schnellen Schrittes die Beamten herbeieilten und sich den Demonstranten in den Weg stellten, respektive die Straße versperrten. ERST DANACH - nachdem die Straße versperrt und die Demo gestoppt war - flogen erste Böller in Richtung Wasserwerfer der Polizei. Offenbar waren die Demonstranten verärgert und wütend darüber, dass ihre zuvor ordnungsgemäß angemeldete Demo gestoppt wurde und die Polizei sich ihnen in den Weg stellt.

Alles was danach kam, ist dieser ursprünglichen Blockade geschuldet und die Frage ist a) wer hat wann diese Blockade angeordnet und b) aus welchem Grund bzw. mit welcher Notwendigkeit ist dies geschehen?

Angeblich war die Polizei nicht vorbereitet auf das abrupte loslaufen der Demonstranten und hat den Aufzug deshalb gestoppt. Kann das stimmen?

Alle Antworten auf diese und weitere Fragen, sowie eine ausführliche chronologische Analyse aller Ereignisse mit zum Teil noch unveröffentlichten Bildern gibt es unter: http://maxbryan.wordpress.com/2014/01/15/polizeige...
(98 Seiten, 7,4 MB)

Kurzfassung hier -->
https://www.facebook.com/notes/max-bryan/polizeige...

Kommentare (ergänzend dazu) hier:
https://www.facebook.com/photo.php?fbid=7472506552...

Update 23.1.2014:

Dem schwer verletzte Jungen, der Teil dieses Berichts ist (Foto siehe Anhang) geht es - den Umständen entsprechend. Laut Rücksprache vom 22.1. schmerzt die Wange immer noch - selbst 4 Wochen danach.

Zitat Rasmus D: "Das Auge hat keine bleibenden Schäden genommen und ist gut verheilt. Das Jochbein ist noch angeschwollen und schmerzt bei Berührungen." - (Quelle: FB-Mail 22.01.2014). Rasmus D. gibt an, nicht vermummt gewesen zu sein und auch keine Steine geworfen zu haben. Er wollte friedlich für den Erhalt der Roten Flora demonstrieren.

Ein Sanitäter zu dem Vorfall: "Selbst die Bundesrepublik ist längst keine rosarote Idylle der Menschenrechte. Das gezielte Herausgreifen von einzelnen Straftätern aus der Demo sieht in der Praxis oft ganz anders aus. Wenn Wurfgeschosse aus der Masse herausfliegen und ein Kollektiv von Beamten dann wie eine "wildgewordene Horde Hooligans" in den Mob hineinstürmen und auf die vorderen Reihen einschlagen, nimmt man eben genau solche schlimmen Verletzungen bei Unbeteiligten mit in Kauf".

Viel diskutiert wird indes eine Kennzeichnungspflicht für Polizisten im Einsatz und auch die Debatte um die Vorkommnisse an der Davidwache ist neu entbrannt. Laut einem Bericht des Hamburger Abendblatts vom 23.1. hat die Polizei zur Aufklärung der Geschehnisse nunmehr eine zehnköpfige Sonderkommission gebildet, nachdem externe Zeugen der offiziellen Darstellung der Polizei widersprachen. Kommende Woche werden zudem auch zwei Zeugen gehört, die von dem Hamburger Rechtsanwalt Andreas Beuth beraten werden. Einen Termin beim Landeskriminalamt gibt es bereits.
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