„Reform wäre ein Rückschritt“

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Die Schülerinnen und Schüler der Beruflichen Schule Uferstraße setzen sich für den Erhalt ihrer Schule ein. V. l.: Jana (16), Marcel (19), Michelle (18), Lisa (17), Christibel (17), Nathalie (19) und Olivia (16) Foto: wb

Berufsschule Uferstraße wehrt sich gegen Pläne von Senator Rabe

Von Britta Burmeister
Uhlenhorst/Barmbek. Den staatlichen berufsbildenden Schulen in Hamburg steht eine grundlegende Reform bevor. Voraussichtlich im November 2013 will die zuständige Deputation der Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) einen Schulentwicklungsplan (SEPL) beschließen, der die künftigen Standorte, die Schulgrößen und die Angebote der berufsbildenden Schulen festlegt. Eine Entwurfsfassung wurde am Dienstag vergangener Woche von Schulsenator Ties Rabe der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Schulen haben nun bis zum 6. September Zeit, zu den Plänen Stellung zu nehmen.
Die Berufsbildende Schule Uferstraße (W02) protestiert schon seit einigen Wochen entschieden gegen die Pläne der Behörde. Bereits im Februar hat das Kollegium in einem achtseitigen Brief unmissverständlich dargestellt weshalb es die Umstrukturierung seiner Schule ablehnt (das WochenBlatt berichtete). In dem nun vorgestellten SEPL-Entwurf sind diese Bedenken nicht eingeflossen. Geht es nach dem Willen der BSB, werden die Schule Uferstraße und die Staatliche Fachschule für Sozialpädagogik (FSP1) in der Wagnerstraße 2016 zu einer Schule mit sozialpädagogischem Schwerpunkt zusammengefasst.

Ausbildungsgänge sollen abgegeben werden

Um Raum für Schülerinnen und Schüler zu schaffen, die bisher verwandte Ausbildungsgänge an der Staatlichen Gewerbeschule Ernährung und Hauswirtschaft (G3), an der Staatlichen Schule Gesundheitspflege (W01) sowie an der Anna Warburg Schule (W03) besuchen, sollen alle „nichtsozialpädagogischen“ Bildungsgänge der Schule Uferstraße an andere Schulen abgegeben werden. Betroffen sind der Berufsschulbildungsgang „Hauswirtschaft“ sowie die Berufsfachschulgänge „Hauswirtschaft“ und „Haus- und Familienpflege“. Lediglich die Ausbildungsgänge zum „Fachpraktiker Hauswirtschaft“ verbleiben an der Schule, weil sie eng an die Berufsvorbereitung für Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf angebunden sind.

Senator setzt
auf „wertvolle Synergien“

Die Maßnahmen entsprechen dem erklärten Ziel der Schulentwickler, das fachliche Profil der derzeit 44 berufsbildenden Schulen in Hamburg zu schärfen und Ausbildungsgänge zusammenzuführen, die bisher an mehreren Standorten gleichzeitig angeboten werden. Bis 2017 soll die Zahl der Schulstandorte auf hamburgweit 31 reduziert werden.
„Indem wir jetzt Bildungsgänge sinnvoll konzentrieren und schulübergreifend planen, entstehen wertvolle Synergien“, so Schulsenator Ties Rabe. „Der Referentenentwurf sieht vor, dass die Ausbildung in einem Beruf oder einer Berufsgruppe im Regelfall an einer Schule durchgeführt wird. Schulen werden so zusammengeführt und weiterentwickelt, dass sie eine fachlich sinnvolle Bildungsgangstruktur erhalten und ihre jeweiligen Stärken einbringen können.“


Schulleiter: „Bei uns wird Inklusion längst gelebt“

Aus der Sicht von Thomas von Arps-Aubert, Sprecher der GEW-Betriebsgruppe an der Beruflichen Schule Uferstraße (W2), würde mit der für seine Schule geplanten Reform genau das Gegenteil erreicht. Zu den Stärken seiner Schule gehöre das selbstverständliche Miteinander der unterschiedlichen Bildungsgänge, die von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderung besucht werden. Wie facettenreich der innere Zusammenhalt an der W02 ist, wird am Beispiel der Schulkantine deutlich, die von Schülerinnen und Schülern der hauswirtschaftlichen Bildungsgänge betrieben wird. Jungen und Mädchen mit und ohne Behinderung sorgen hier täglich gemeinsam dafür, dass die gesamte Belegschaft der Schule Uferstraße und der FSP1 ein gesundes Mittagessen erhält. Dieses Angebot wird nach der Reform nicht mehr aufrecht zu erhalten sein. „Es ist ein politischer Skandal, dass das Thema Inklusion im Schulentwicklungsplan überhaupt nicht vorkommt!“ ärgert sich Thomas von Arps-Aubert. „Bei uns wird Inklusion seit Jahren wirklich gelebt! Das was hier geplant wird, ist für unsere Schule ein echter Rückschritt.“


Institut für Berufs-Bildung: „Ein Standort reicht“

Dr. Angela Homfeld vom Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB) betont die Vorteile der Planungen: „In Hamburg gibt es im Bereich Hauswirtschaft nur so viele Schülerinnen und Schüler, dass eine Beschulung an zwei Schulen im Sinne des Fachschulprinzips nicht angemessen ist. Die Konzentration an der G03 sichert eine hohe Ausbildungsqualität.“ Auch in die Modernisierung der Schulstandorte soll im Zuge der Schulentwicklung investiert werden. Insgesamt stehen in der sogenannten HIBB-Tranche 676 Millionen Euro zur Verfügung, um die beruflichen Schulen zukunftsfähig zu machen. Mit der Sanierung der Schulgebäude an der Uferstraße wurde bereits begonnen. Voraussichtlich 2015 soll das Gebäude der FSP1 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.
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