Schwanengesang

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Schwanenvater Olaf Nieß und seine Helfer trieben wie in jedem Jahr die Alsterschwäne vor der Rathaus-Schleuse zusammen, um sie dann mit Tricks in die bereit stehenden Boote zu locken. Foto: Grell
 
Hunderte von Zuschauern waren gekommen, um das Spektakel mitzuerleben. So viele Schwäne sitzen in Hamburg eben nur selten zusammen.Foto: Grell

Stolze Entenvögel zogen von der Alster ins Winterquartier

Von Karen Grell

City. Es ist ein Spektakel, das in jedem Jahr wieder Hunderte von Zuschauern an die Alster vor der Rathausschleuse zieht, wenn Schwanenvater Olaf Nieß und sein Team die Schwäne, die das ganze Jahr über ihre Zeit auf der Alster verbringen, zum Winterquartier abholen.
Punkt 11 Uhr trieben bei strahlendem Sonnenschein die Boote unter den Brückenbogen hindurch. Die Schwäne, davon die meisten weiß und nur einige noch mit grauem Jungtiergefieder, hatten die Ankunft scheinbar bereits erwartet. Fast 50 Schwäne schwammen unter der genauen Beobachtung der Zuschauer, gemütlich vor den Treppen der kleinen Alster herum.
„Ob die eine Uhr dabei haben“ wunderte sich ein kleiner Junge, der mit den Großeltern gekommen war, um zum ersten Mal mitzuerleben, wie die Schwäne in ihr sicheres Winterquartier kommen. Acht Boote waren es, die notwendig wurden, um die Schwäne in der Rathausschleuse zusammenzutreiben. Dennoch gab es so manchen, besonders unter den Jungtieren, der vor der Einschleusung noch einmal entwischte. Kein Problem für das eingespielte Team unter Schwanenvater Olaf Nieß, der seine Aufgabe vom Vater Harald übernahm und am Ende alle Tiere in die Kähne bekam. Was in manchen Momenten wie eine richtige Hetzjagd aussah, ist für das Team reine Routine. Ein paar Exemplare entwischen in jedem Jahr und landen dann doch im geschützten Winterquartier. Die Maßnahme ist für die schönen Schwäne das Beste und überlebenswichtig, denn im Winter wird die Nahrung knapp und da ist das Quartier eine regelrechte Luxusbehausung für die kalte Jahreszeit. Zudem friert die Alster von außen nach innen zu und die Schwäne könnten einfach festfrieren. Der Job des Schwanenvaters ist einzigartig und auch die Liebe zu den Schwänen nur in Hamburg so groß. Seit dem siebzehnten Jahrhundert gibt es die Stelle des Schwanenvaters und alle Hamburger sind stolz auf ihre weißen Schönheiten, die zwischen Segelbooten und Alsterdampfern das Bild der Innenstadt prägen. Viele Hamburger, unter ihnen auch eine ganze Menge kleiner Kinder aus den Kitas, waren an diesem Tag zur Alster gekommen, um die Schwäne in ihr Winterquartier auf dem Mühlenteich in Eppendorf zu verabschieden. Von insgesamt 120 Schwänen konnten an diesem Morgen allerdings nur knapp 40 in die Rathausschleuse zusammengetrieben werden, die anderen verstecken sich noch in den vielen Seitenkanälen. Olaf Nieß ist sich aber ganz sicher, dass er am Ende alle Hamburger Schwäne in seinem Winterquartier begrüßen kann. Noch ist ihm keiner entwischt und wer ganz schlau war, wie einer der Schwäne, der saß bereits als allererster im Boot. „Vielleicht können sich die Schwäne im nächsten Jahr ja noch an ihre Zeit in der Winterunterbringung erinnern und schwimmen irgendwann schon ganz allein dorthin, bevor der Schwanenvater sie abholt“, überlegt die kleine Kaya, die mit ihren Eltern aus Ahrensburg gekommen ist, um die Verschiffung mitzuerleben. „Ein bisschen Leidgetan haben sie mir schon“, so Kaya, „aber ich weiß ja, dass sie es dort gut haben werden und genug zum essen bekommen. (kg)
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