Seltene Einblicke in die Vergangenheit von Hamburg

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Georg Koppmanns Fotos zeigen ein Stadtviertel, das es heute nicht mehr gibt. Dieses Bild, entstanden 1884, zeigt die Straße „Bei den Mühren“Retro: Hörmann

Wiederentdeckt: Historische Speicherstadt-Fotos. Noch bis 16. Februar im Museum für Kunst und Gewerbe zu sehen

Hamburg. Eine der ersten Denkmalschutz-Dokumentationen ließ die Hansestadt Hamburg anfertigen – und zwar vor dem Abriss der südlichen Altstadt auf der Kerwieder-Wandrahm-Insel für den Bau der Speicherstadt. Der Senat beauftragte damals den Architekturfotografen Georg Koppmann, das Stadtviertel entlang des heutigen Zollkanals zu fotografieren, bevor es unwiederbringlich für immer zerstört wurde. So entstanden einmalige Foto-Dokumente, die das Museum für Kunst und Gewerbe in einer umfassenden Ausstellung zeigt. Koppmann fotografierte das Straßenleben und die Gebäude in den Jahren 1883 und 1884, dazu machte er Aufnahmen der neu erbauten Speicherstadt um 1888. Über 40 großformatige Fotos hat Kuratorin Esther Ruelfs im Archiv des Museum entdeckt und dazu einen alten Stadtplan von 1868, auf dem Ausstellungsbesucher anhand von Nummern nachvollziehen können, wo die einzelnen Fotos entstanden sind. Besonders schön: Die Bilder sind sehr detailreich, man kann die Ladenschilder lesen und erkennt sogar, dass Schüler Bücher unter dem Arm tragen. „Das liegt an der Aufnahmetechnik“, erklärt Esther Ruelfs, die Leiterin der Sammlung Fotografie im Museum für Kunst und Gewerbe, „Koppmann belichtete große Glasplatten, daher sind viele Details zu erkennen, die Fotos sind keine Vergrößerungen.“ 125 Jahre besteht die Speicherstadt und für uns sind es historische Gebäude. Die Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe wirkt daher wie ein Zeitsprung: Auf den Fotos von 1888 sind die Lagerhäuser gerade neu erbaut, einige zeigen sogar Eröffnungsfeierlichkeiten, die Altstadt dagegen steht unmittelbar vor dem Abriss, wird einer völlig neuen Infrastruktur mit Speichern, Quais und Kanälen weichen. „Dieses ist ein frühes Beispiel der Verwendung der Fotografie als Dokument, heute würde man das Denkmalpflege nennen“, sagt Esther Ruelfs. Ein historisches Dokument und vor allem ein spannender Blick in Hamburgs Geschichte, die Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe ist beides. (sh)

bis 16. Februar, Di-So 10-18 Uhr, Do bis 21 Uhr, Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorpl., Eintritt: 10, erm. 7 Euro. So., 19. Jan., 14-16 Uhr, Führung mit Rundgang durch die Speicherstadt, Anmeldung: Vermittlung@mkg.hamburg.de
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