Senioren flitzen in der Rikscha durchs Grüne

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V.l.n.r.: Leiterin Anja Kunert (30), Ursula Choralla (91) und Mitarbeiterin Beate Schleicher Foto: HH-Stiftung

Hartwig-Hesse-Stiftung in Hamburg setzt auf spezielle Fahrrad-Rikscha

Von Brigitte Wollmann
Hohenfelde
Ursula Choralla ist mit ihren 91 Jahren einfach losgedüst. Eingekuschelt in Decken und trotzdem an frischer Luft und dann noch 25 Stundenkilometer schnell! Möglich gemacht hat das Beate Schleicher mit einer speziellen Fahrrad-Rikscha, die erstmalig in Hamburg von der Hartwig-Hesse-Stiftung angeschafft wurde. Ursula Choralla ist seit kurzem auf den Rollator angewiesen, aber in die Taxi-Rikscha kann sie trotzdem gut einsteigen. „Ich war schon zwei Mal los, aber leider war es trotz der Decke zu kalt, um länger geradelt zu werden“. Die Senioren, die die Tagespflege am Mühlendamm besuchen, erwarten sehnlichst gutes Wetter für eine gemütliche Radtour. „Endlich wieder einmal um die Alster oder zur Porsche-Baustelle“, freut sich Tagesgast Andreas Stadler (75) schon jetzt. Und Ursula Choralla möchte es gern „schön warm mit Grün und Blumen. Und dazu ein Eis“. „Na klar“, verspricht die stellvertretende Pflegedienstleiterin Mareike Kobel, „und wir nehmen natürlich auch Kaffee mit.“
Die Leiterin der Tagespflege Anja Kunert ist glücklich, mit dem praktischen Gefährt die Senioren bequem, sicher und schnell bewegen zu können. „Gerade wer auf Rollator oder Stock angewiesen ist, kann sich nur noch in sehr begrenztem Umfeld bewegen und kommt fast gar nicht mehr raus. Darum radeln wir unsere Senioren sehr gern und lassen ihnen frische Luft um die Nase wehen.“


Elektromotor unterstützt Fahrer


Die stabile Senioren-Rikscha ist mit einer festen Einstiegshilfe versehen, um Gehbehinderten den Eintritt zu erleichtern. Zwei Personen können vorne Platz nehmen, den Fahrer unterstützt ein Elektromotor. Das Spezialrad wurde aus Mitteln des Hamburger Spendenparlaments angeschafft und kostet laut Katalog über 5.000 Euro, aber Einrichtungen zahlen weniger. Die 1826 gegründete Hartwig-Hesse-Stiftung bietet Tagespflege, betreutes Wohnen, Pflegeeinrichtungen, Wohnanlagen sowie Demenz-Wohn-Pflegegemeinschaften in mehreren Hamburger Stadtteilen an. In der Hohenfelder Tagespflege sind einige Plätze frei geworden. Leiterin Anja Kunert: „Wir haben sehr niedrige Gebühren, und durch die Pflegereform sind die Plätze häufig kostenlos.“ Die fast 200 Jahre alte Stiftung wurde vom wohlhabenden Hamburger Kaufmann Hartwig Hesse gegründet. Am Lübecker Tor in St. Georg entstand 1833 das erste Stiftsgebäude. Im zweiten Weltkrieg wurden die Häuser zerstört, 1953 an gleicher Stelle wiederaufgebaut. Die heutige Wismarer Straße in St. Georg hieß 1865 Hartwig-Straße, ab 1899 Hartwig-Hesse-Straße, bis sie von den Nationalsozialisten umbenannt wurde. Der Name des verstorbenen Kaufmanns lebt in seinen Wohltaten und in einer nach ihm benannten Straße in Eimsbüttel weiter.
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