St. Gertrud noch schöner

Anzeige
Luftballons rund um den Turm von St. Gertrud: Ausdruck der Freude angesichts der Wiedereröffnung der Kirche nach einem halben Jahr Sanierung Foto: Hanke
 
Zufrieden mit der renovierten Kirche: Pastor Frie Bräsen im runderneuerten Innenraum von St. Gertrud Foto: Hanke

Kirche nach halbjähriger Sanierung wiedereröffnet. Überraschungen inklusive

Von Christian Hanke
Uhlenhorst/Hohenfelde
Hunderte von Luftballons stiegen jetzt vor der Kirche St. Gertrud am Kuhmühlenteich in den strahlend blauen Himmel. Losgelassen von Gemeindemitgliedern und Gästen eines Festes rund um die Kirche. Gefeiert wurde die Wiedereröffnung des neugotischen Gotteshauses aus dem Jahre 1885 nach einem halben Jahr Schließung wegen einer umfangreichen Sanierung. Gut 850.000 Euro hat die erste große Runderneuerung seit den 1960er-Jahren wie geplant gekostet. Der Innenraum der Kirche wurde neu verputzt. Die gesamte Lichtanlage wurde erneuert, die Akustik verbessert. Pastor Frie Bräsen ist zufrieden mit dem Ergebnis. „Ich habe ein gutes Gefühl. Dieser Bau ist jetzt wirklich in Ordnung“, resümiert der Pastor, der während der Sanierung erschreckenden Pfusch entdeckt hatte.

Alten Pfusch entdeckt


Bei der Entfernung des alten Putzes mussten die Arbeiter feststellen, dass in den 1960er Jahren nicht sauber gearbeitet worden war. „Wir sahen Pinselstriche und Farbkleckser. Das ist nicht ordentlich gemacht worden. Ich hätte so etwas nie abgenommen. Das hat mich wütend und sprachlos gemacht“, erzählt Frie Bräsen.
Auch die allererste Bemalung der Kirche wurde an einigen Stellen entdeckt. Ein kleines Stück wurde aufwändig freigelegt. Sehr zufrieden ist der Pastor mit der neuen Lichtanlage, die auusschließlich aus LED-Leuchten besteht. Eine Reihe von Strahlern und Leuchten ermöglichen vielseitige Lichtstimmungen. Kleine Leuchtkörper in den Kapitelen lassen die Kirche fast im Dunklen, zum Beispiel für Veranstaltungen bei Kerzenschein.
Mit Hilfe von Rücklagen und eines Darlehens hat die Kirchengemeinde die Sanierung fast allein stemmen können. Vom Denkmalschutzamt kam aufgrund einer gerade um die letzte Jahreswende beschlossenen neuen Vergabepraxis nichts. Statt einer Pauschalsumme für Sanierungen muss nun jede Einzelmaßnahme angegeben werden, was sich sehr kompliziert gestaltet. Diese Änderungen kann Frie Bräsen nicht verstehen. „Das Denkmalschutzamt gibt Vorgaben, die erfüllt werden müssen, aber gibt kein Geld dafür. Wir haben ja Sünden am Denkmal repariert, haben uns so bemüht und Hamburg kneift“, ärgert sich der Pastor. Auch die Nordkirche hat keine Töpfe mehr für große Baumaßnahmen. Dafür gibt es mehr Geld für die Basis, für jede Kirchengemeinde, die deshalb Sanierungen selbst finanzieren muss.
Auf dem Wiedereröffnugsfest wurde auch eine Ausstellung zur Geschichte von St. Gertrud eröffnet, die in der Kirche auf mehreren Schautafeln die Entwicklung der Kirche von der ersten Planung im Zusammenhang mit den umgebenden Stadtteilen anhand von Karten und alten Fotos zeigt. Die sehr aktive Geschichtswerkstatt St. Gertrud hatte noch einmal ganz neu auf die Geschichte geschaut und dadurch neue, bislang unbekannte Fotos und Dokumente zum Beispiel im Staatsarchiv und beim Denkmalschutz gefunden. Die Werkstatt „Tiroler Glasmalerei“ steuerte Unterlagen zu den alten Glasfenstern bei, die sie zur Zeit des Baus für St. Gertrud angefertigt hatte. Die Fenster mit biblischen Motiven waren später im Zweiten Weltkrieg zerstört und in den 1960er Jahren durch farbige Muster ersetzt worden.

„Wir haben ja Sünden am Denkmal repariert, haben uns so bemüht und Hamburg kneift.“ Pastor Frie Bräsen

„Wir haben noch einmal neu angefangen. Das war sehr spannend. Zum Beispiel haben wir noch andere Entwürfe für die Kirche entdeckt. 45 Architekten waren beauftragt worden“, erzählt Harald Gevert, der Leiter der Geschichtswerkstatt. So hätte die Gertrudkirche auch am Südufer des Kuhmühlenteichs in Hohenfelde oder auf der Fläche des heutigen Ernst DeutschTheaters stehen können.

Sieben eheranamtliche Mitarbeiter schart Gevert um sich. Es können gern mehr werden. Das Treffen ist immer donnerstags um 19 Uhr. Interessenten können sich bei Harald Gevert melden, Telefon 299 82 40.

Die Ausstellung ist bis Ende des Jahres, dienstags, freitags und sonntags zu unterschiedlichen Zeiten in der Kirche zu sehen.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige