Stadt Hamburg steht zu Gängeviertel

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Christine Ebeling, Dorothee Wolter Niels Boeing und Filomeno Fusco hoffen auf ein langfristiges Eigentumsrecht Foto: luc
Hamburg: Caffamacherreihe |

Künstler und Bezirksamt Hamburg-Mitte verhandeln um Eigentumsrechte

Hamburg-City Das Gängeviertel in der Neustadt feiert seinen 8. Geburtstag. Doch zum bunten Fest, das mit Ausstellungen, Diskussionen, Kreativwerkstätten und mehr als 50 Konzerten ausgiebig gefeiert wurde, gab es auch heftige Begleitmusik: Noch immer sei die Zukunft des soziokulturellen Projektes ungewiss, trotz „konstruktiver Lösungsvorschläge“, kritisieren die Künstler und Akteure und werfen der Stadt „Blockadepolitik“ vor.

Sanierungsstopp seit 2015

Seit der legendären Künstler-Besetzung im August 2009 ist die ehemalige Gürtelfabrik – heute das kulturelle Herzstück des Quartiers – saniert. Das Innere: Werkstätten, Fotostudios, Veranstaltungsräume und Bühnen hat die Initiative selbst ausgebaut. Saniert und bezogen sind auch das „Jupi Haus“ und das „Kupfer Diebe Haus“ an der Caffamacherreihe. Doch der andere Teil des historischen Arbeiter-Quartiers verfällt unübersehbar weiter. Seit 2015 herrscht Sanierungsstopp, ringt die Künstlerinitiative mit der Stadt um vertragliche Gleichberechtigung . Anfang des Jahres schien der Gängeviertel-Intitiative der Durchbruch mit einer erbbaurechtlichen Lösung zum Greifen nah. Gegen Zahlung von 26 Millionen Euro, so der für den Zeitraum von 75 Jahren hochgerechnete Mietzins, wollen sich Künstler und Akteure als eine Art „Eigentümer auf Zeit“ langfristige Nutzungs- und Gestaltungsrechte sichern. Zum Jubiläum gelang der erhoffte Durchbruch nicht: „Es herrscht Funkstille und nur über Umwege erfuhren wir, dass man erst einmal nicht mit uns weiter verhandeln will“, sagt Christine Ebeling, Sprecherin des Gängeviertels.

Keine Verhandlungen nach G20

Die wachsende Sorge um die Zukunft ihres Projektes hat einen Hintergrund: Seit dem Streit über Aktionen rund um den G20-Gipfel und nach den Krawallen im Schanzenviertel, fürchtet die Initiative mit ihrer Solidaritätsbekundung für die „linksautonome Rote Flora“, deren Schließung gefordert wird, ebenso ins politische Kreuzfeuer zu geraten, und fordert umso stärker das Erbbaurecht: „Das Gängeviertel muss selbstverwaltet in die Zukunft gehen, sonst ist die Gefahr zu groß, dass es eines Tages Machtspielen oder Profiten geopfert wird“, heißt es in der Pressemitteilung zum Fest.

Bezirk: Verhandlungen ab Herbst

Einen Zusammenhang zwischen G20-Gipfel und dem Ruhen der Verhandlungen sieht man im Bezirksamt Hamburg-Mitte dagegen nicht: „Solche langfristigen Verträge müssen beraten und sorgfältig geprüft werden, auch wegen der Kosten“, gibt Pressesprecherin Sorina Weiland zu bedenken. Im Herbst werde weiter verhandelt. Der Bezirk unterstütze das Projekt. (luc)
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Rainer Stelling aus St. Georg | 30.08.2017 | 16:38  
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