Statik-Drama um Michel-Glocken

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Michel-Hauptpastor Alexander Röder (r.) und Michael Kurtz, der Geschäftsführer der Stftung St. Michaelis Foto: Hanke

Risse im Träger: Kirche braucht 100.000 Euro mehr. Neue Spendenaktion

Neustadt Die gute Nachricht: Am 19. Juni werden die beiden Michel-Glocken gegossen, zu denen die Hamburger ihrem Wahrzeichen mit einer gigantischen Spendenaktion verhofen haben - wie berichtet, hatten mehr als 1300 Bürger 250.000 Euro zusammengebracht. Die schlechte Nachricht: Das Geld wird nicht reichen, die Aktion wird teurer als geplant.
Der Grund: Gutachter haben jetzt festgestellt, dass die über 100 Jahre alten Stahlträger in der Michel-Kuppel das zusätzliche Gewicht der beiden Glocken (rund 2.600 kg) nicht tragen können. Nun soll ein Stahlgerüst in die Kuppel eingezogen werden. Das ist sehr arbeitsaufwendig und damit teuer – weitere 100.000 Euro werden gebraucht. Neun Meter lange Stahlträger müssen mit einem Kran auf 106 Meter hochgezogen und durch eine kleine Luke transportiert werden.
Jetzt wird es ernst: Die zwei neuen Glocken für den Michel werden am Freitag, 19. Juni, in der Glockengießerei Rincker in Hessen hergestellt. Genau um 15 Uhr, denn das ist die Sterbestunde Jesu an einem Freitag. „Seit fünf Wochen wird an den Glocken gearbeitet“, berichtete Michel-Hauptpastor Alexander Röder. Im Herbst sollen sie fertig sein nach Hamburg gebracht werden.
Sie werden dann zunächst in der Kirche aufgestellt. Am 27. September werden sie auf einem großen Glockenfest geweiht. Sie ersetzen zwei Uhrenglocken, die im Krieg 1917 für Patronenhülsen eingeschmolzen wurden. Im Winter, wenn weniger Besucher kommmen, werden sie dann in den Turm gehängt.
Doch Risse in dem über 100 Jahre alten Stahlträger, an dem die etwa 2.600 Kilogramm schweren Glocken direkt unter der Kuppel über der Aussichtsplattform aufgehängt werden sollten, verteuern jetzt die gesamte Aktion. „Der Zahn der Zeit hat am Stahl genagt. Gestiegene Sicherheitsanforderungen für die Aussichtsplattform erfordern den Einbau einer Stahlkonstruktion im Innern der Kuppel“, erläuterte Michael Kurtz, Geschäftsführer der Stiftung St. Michaelis.
Die neue Stahlträgerkonstruktion besteht die aus neun Meter langen Stahlträgern. Sie müssen in 106 Meter Höhe gehievt werden – doch zuvor in 19 Teile zersägt werden, damit sie überhaupt durch die Luke zu passen. „Danach werden die Teile wieder zusammengesetzt“, sagte Alexander Röder. 19 Bautage sind dafür vorgesehen. 15 Euro kosten fünf Kilogramm Stahl, 28 Euro ein Höhenmeter, um die Glocken nach oben zu ziehen, und 45 Euro eine Montagestunde, um die neuen Glocken zu montieren.

150 Spender-Namen frei


Für die dafür benötigten weiteren 100.000 Euro ruft die Stiftung zu neuen Spendaktionen auf. Wer über 200 Euro spendet, dessen Name wird auf einer Dankestafel auf der Aussichtsplattform verewigt. 150 Plätze sind noch frei. Die bisherigen Michel-Großsponsoren Budni und Haspa beteiligen sich auch an dieser neuen Spendenaktion.
Um die Spendenbereitschaft zu erhöhen, hat sich das Team der Michel-Stiftung jetzt etwas Besonderes einfallen lassen. Anlässlich der Rückkehr der Glocken entsteht ein zwei mal drei Meter großes, gezeichnetes „Wimmelbild“, das den Michel und seine Umgebung zeigt. In das Bild werden 300 Menschen eingezeichnet, die zuvor jeweils 75 Euro gespendet haben.
Wer mitmachen will, kann sich am 12., 13., 26. und 27. Juni jeweils von 12 bis 20 Uhr in der „Budnikowsky“-Filiale in der Europapassage von einem Künstler des Kollektivs „Der 6te Lachs“ zeichnen lassen. Exponierte Ehrenplätze auf dem Bild auf einem Balkon, an der Wetterfahne oder im vorbeischwebenden Heißluftballon werden in einer Internetauktion vesteigert.
Teilnehmer erhalten noch im Atelier ein handgezeichnetes Schnellporträt und später das Plakat des fertigen Bildes. Außerdem werden sie zum Glockenfest eingeladen. (ch)
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