Stolpersteine: Ehrung für NS-Opfer

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Theodor Haubach gehörte zum Kreis der Verschwörer des 20.Juli. Er wurde von den Nazis hingerichtet Foto: Gedenkstätte Deutscher Widerstand Berlin

Bürgerverein: Verlegung in Uhlenhorst und Hohenfelde so gut wie abgeschlossen

Uhlenhorst/Hohenfelde
Weil die Verlegung der Stolpersteine in Uhlenhorst und Hohenfelde so gut wie abgeschlossen ist, lud der Hohenfelder Bürgerverein, der Uhlenhorst mit betreut, kürzlich zu einer Gedenkveranstaltung in die St. Gertrudkirche ein.
„Verwandte und Nachbarn ehemaliger Verfolgter, einzelne mitfühlende Bürger und Bürgerinnen und politisch Engagierte brachten die Namen damaliger Bewohner und Bewohnerinnen nach Hohenfelde und Uhlenhorst zurück“, führte der Vorsitzende des Bürgervereins, Siegfried Hirsch, aus. „Für sie, die kein Grab haben, gibt es nun einen Gedenkort. Einweihungen beziehungsweise Enthüllungen von Stolpersteinen hier in den Stadtteilen wurden zu eindrucksvollen Erinnerungsmomenten“, so Hirsch weiter. Der Hohenfelder Bürgerverein hat sogar eine Stolperstein-Putzgruppe. Einmalig in Hamburg. In Uhlenhorst und Hohenfelde wurden nicht nur Juden verfolgt und ermordet. Auch Sinti, Kommunisten, Sozialdemokraten, Homosexuelle, Euthanasieopfer und damals so genannten „Asoziale“ sowie Menschen, die wegen iher christlichen oder humanitären Haltung verfolgt wurden, finden sich unter den Getöteten, für die Stolpersteine verlegt wurden. Zwei Beispiele.
2009, als der Band Barmbek/Uhlenhorst erschien, waren 44 Stolpersteine in Uhlenhorst verlegt worden. Unter anderen für den SPD-Politiker Theodor Haubach (1896-1945), der zum Kreis der Hitler-Attentäter vom 20. Juli 1944 gehörte. Er wohnte in der Hartwicusstraße 2 und wurde am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Leo Julius Raphaeli war unter dem Namen Willy Hagen ein bekannter Schauspieler, Kabarettist und Textdichter im frühen 20. Jahrhundert in Hamburg. Er leitete ab 1913 das Kleine Theater am Standort des späteren Ohnsorg-Theaters in den Großen Bleichen und wohnte mit seiner Frau am Mundsburger Damm 38. Am 25. Oktober 1941 wurde Raphaeli wegen seiner jüdischen Herkunft und künstlerischer Kritik am Nationalsozialismus ins Vernichtungslager verschleppt.
Am 25. Oktober 1941 wurde Raphaeli wegen seiner jüdischen Herkunft und künstlerischer Kritik am Nationalsozialismus mit dem ersten Transport aus Hamburg ins Ghetto Lodz gebracht. Er lebte noch ein knappes halbes Jahr, bevor er dort am 5. April 1942 an einer Blutvergiftung starb.
Leo Raphaeli ist einer vorn rund 160 Nazi-Opfern, an die in Uhlenhorst und Hohenfelde Stolpersteine erinnern, kleine Steine mit quadratischen Messingplatten, die Künstler Gunter Demnig seit rund 20 Jahren vor den Häusern, in denen Nazi-Opfer wohnten, ins Gehwegpflaster einlässt. Auf den Messingplatten sind die Namen und Lebensdaten der Ermordeten festgehalten.
Über die Nazi-Opfer in Uhlenhorst, vor deren Häusern Stolpersteine, liegen, informiert in der Reihe „Biographische Spurensuche“ der Landeszentrale für politische Bildung auch ein Buch, in dem sie gemeinsam mit den Barmbeker Stolpersteinen behandelt werden. Für Hohenfelde ist ein weiterer Band dieser Reihe gemeinsam mit Eilbek in Arbeit. Der Band über die Stolpersteine in Barmbek und Uhlenhorst kann für 3 Euro im Infoladen der Landeszentrale für politische Bildung, Dammtorwall 1, erworben werden. (ch)
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