Stolpersteine vor dem Rathaus

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Nachkommen der ermordeten Bürgerschaftsabgeordneten legten Blumen auf die Stolpersteine vor dem Rathaus. Fotos: Hanke

Gedenken an Bürgerschaftsabgeordnete

Altstadt. Über 4200 Stolpersteine wurden bereits in Hamburg verlegt, Steine, die vor den Häusern, in denen Opfer des Nationalsozialismus gewohnt haben, an diese erinnern. Kürzlich wurden auch vor dem Hamburger Rathaus Stolpersteine verlegt. Künstler Gunter Demnig, der seit zehn Jahren Stolpersteine in ganz Deutschland, und jetzt auch in ganz Europa verlegt, setzte 20 dieser Steine vor das Rathaus, die an 20 Bürgerschaftsabgeordnete erinnern, die durch die Nationalsozialisten ums Leben gekommen sind. Vor einer größeren Gruppe von Menschen auf dem Rathausmarkt lobte Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit die Arbeit von Gunter Demnig, brandmarkte den Faschismus als Verbrechen und schloss mit den Worten: „Es wird höchste Zeit, dass die Nazipartei (NPD) verboten wird.“ Gunter Demnig sagte anschließend, dass selbst für ihn, der vielen Opfern des Nationalsozialismus durch seine Stolpersteine ein Gesicht gegeben hat, die Zahl von sechs Millionen Opfern „eine abstrakte Größe“ bliebe. Er berichtete außerdem, dass das Interesse von Jugendlichen an den Stolpersteinen im Gegensatz zur Meinung vieler Lehrer ganz beachtlich sei. „Das ist ein ganz anderer Geschichtsunterricht“, sagte Demnig, der auch berichtete, dass sich viele Hinterbliebene von Nazi-Opfern bei Stolperstein-Verlegungen zum ersten Mal oder zum ersten Mal nach langer Zeit sehen würden.
Die 20 Stolpersteine vor dem Rathaus erinnern an zwölf Kommunisten, fünf Sozialdemokraten und je einen Abgeordneten der Deutschen Staatspartei und der Wirtschaftspartei, darunter an den früheren KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann, an die führenden Köpfe des kommunistischen Widerstands, Bernhard Bästlein und Franz Jacob, und an den Sozialdemokrat Theodor Haubach, der zum Widerstandskreis vom 20. Juli 1944 gehörte.
In dem Buch „Mitglieder der Bürgerschaft - Opfer totalitärer Verfolgung“, das die Hamburgische Bürgerschaft herausgegeben hat, sind die zwanzig Lebensläufe und fünf weitere von KPD-Abgeordneten, die nach ihrer Flucht aus Deutschland in der Sowjetunion ums Leben kamen, beschrieben. (ch)
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