Streit um Schulgelände im Münzviertel

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Das Gelände der ehemaligen Schwerhörigenschule wird derzeit als Erstaufnahme genutzt Foto: Timm

Stadt Hamburg verkauft an Investor, Initiative macht eigene Planung

Von Frank Berno Timm
Münzviertel
Immer wieder wird um das Gelände der ehemaligen Schwerhörigenschule an der Schultzstraße gestritten. Während die Stadt Hamburg klarstellt, dass an einen Investor verkauft wurde, legt die Stadtteilinitiative jetzt eine eigene Planung zur Bebauung vor. Es gibt nur wenige Flächen in Hamburg, um die immer wieder so gestritten wird. Im Fall der früheren Schwerhörigenschule an der Schultz-/Münzstraße ist die Zukunft nun klar: Nach Auskunft von Daniel Stricker aus der Finanzbehörde ist das Gelände verkauft, hier sollen 400 Wohnungen entstehen. Bis Ende September werden laut Zentralem Koordinierungsstab Flüchtlinge die jetzigen Bewohner des kleinen Containerdorfs – es wird derzeit als so genannte Erstaufnahme für Flüchtlinge genutzt – hier ausgezogen sein. Dann werden die metallenen Behausungen noch einmal für das Winternotprogramm für Obdachlose verwendet, das bis Ende März laufen soll. Was in Zukunft baulich geschehen soll, hatte Michael Mathe, Amtsleiter für Stadt- und Landschaftsplanung des Bezirks Mitte im April dem Quartiersbeirat vorgestellt (das Hamburger Wochenblatt berichtete). So weit, so gut? Mitnichten: Die Stadtteilinitiative Münzviertel ihrerseits lud jetzt ein und schlug schon in der entsprechenden Einladung einen Ton an, der deutlich machte, dass man mit den Absichten der Stadt nicht einverstanden ist. Man fordere seit 2011 die Stadt im Rahmen der Integrierten Stadtentwicklung (RISE) auf, das Grundstück der Schule nicht zu verkaufen. „Ein solcher Verkauf unter dem Diktat der reinen Profitmaximierung einzelner zu Lasten einer sozialen Stadtentwicklung für alle ist voll doof“, heißt es etwas salopp. Die Antwort der „politischen Machteliten“ seien „zwei Polizeigroßeinsätze“, womit die Initiative auf die Auseinandersetzung um das KoZe anspielt. Man bleibe weiterhin „schlecht erzogen“, trotzt Günter Westphal und will eine eigene Planung: inbegriffen ein sozio-kulturelles Zentrum im alten Schulgebäude. Westphal sagt dem Hamburger Wochenblatt, man habe seit 2008 bis 2015 eigene Vorstellungen über das Grundstück entwickelt, auf die die Stadt „nicht reagiert“ habe. Das Initiativenkonzept nennt sich „Münzviertel Plus“. Man sehe es als Erweiterung des bestehenden Stadtteils und nicht als „separates Quartier Münzstraße“, wie es der Investor beabsichtige. Es sei Ziel, „eine längerfristige Identifikation mit dem Quartier zu schaffen. Günter Westphal ergänzt: „Wir wissen schon, dass wir keine Chancen haben“; aber man habe zeigen wollen, wie man „es hätte machen können“. Die Initiativen-Planungen setzen auf gemeinsame Arbeiten mit der Hafencity-Uni.
Ginge es also nach der Stadtteilinitiative, würde es einen Multifunktionsplatz, eine Freifläche geben. Dazu würde die Ini ausnahmslos öffentlich geförderten Wohnungsbau mit variablen Größen für Familien, für Wohngemeinschaften realisieren. Auch generationsübergreifende Großwohnungen wünscht man sich, Ateliers und Arbeitsräume, Wohnungen für Asylbewerber, betreutes Wohnen für jugendliche Obdachlose und andere Einrichtungen dicht beieinander. Zum Zuge wären Baugemeinschaften und Genossenschaften gekommen. Im alten Schulgebäude sollte ein soziokulturelles Zentrum entstehen, das die ganze Stadt bereichern könnte. Die Alternativpläne würden die gleiche Bruttogeschoßfläche wie die der Investorenpläne ergeben, sagt Westphal, dieser würde aber nur kleine Wohnungen, mit denen man Geld machen könne, bauen. Günter Westphal wirbt für einen Kurswechsel in der Politik. Die Stadt dürfe nicht in der Nähe des Hauptbahnhofs Flächen verkaufen, findet er und erinnert daran, dass die Betreuung für Straßenkinder im Bieber-Haus jetzt ebenfalls in Schwierigkeiten sei: Die Stadt habe verkauft und nun finde sich kein Ersatz für die Anlaufstelle.

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