Tödlicher Klinik-Alltag

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Leni Jarrs spielt Lotte Albers, die mordende Ärztin, die die Kloster-schule besuchte
Hamburg: Klosterschule |

Zehntklässer der Klosterschule kämpfen gegen das Vergessen

Von Christian Hanke

St. Georg Sie tragen weiße Kittel oder Krawatte, sprechen Ungeheuerliches ganz sachlich aus. 22 Schülerinnen und Schüler der Klosterschule stellen Ärztinnen, Ärzte und Verwaltungspersonal dar, die in der Zeit des Nationalsozialismus für das Euthanasie-Programm verantwortlich waren, die „Vernichtung unwerten Lebens“, wie es die Nationalsozialisten nannten. Die Ermordung geisteskranker Menschen mit Medikamenten oder durch Verhungern.

Zehntklässler der Klosterschule haben die szenische Lesung „Die Reichsausschusskinder“ von Michael Batz in eine Theaterinszenierung umgesetzt, die am Dienstag, 4. Juli, 19 Uhr in der Aula der Klosterschule, Westphalensweg 7, zu sehen ist. Vier Krankenschwestern des Kinderkrankenhauses Rothenburgsort stehen an der Rampe, berichten vom tödlichen Alltag in der Klinik. Die Direktoren der Krankenhäuser Langenhorn und Rothenburgsort sprechen Texte von Protokollen, Anordnungen, Briefen, die die tödliche Umsetzung des Euthanasie-Programms dokumentieren.

Viele Angehörige ihres Personals führten die Morde durch. Wie die Rothenburgsorter Ärztinnen Lotte Albers und Ingeborg Wetzel, die an der Klosterschule das Abitur ablegten. „Das hat uns natürlich besonders erschüttert, dass zwei der Mord-Ärztinnen hier zur Schule gegangen sind“, erzählt Lehrerin Berit Juppenlatz, die „Die Reichsausschusskinder“ mit den Zehntklässlern erarbeitet hat. Die Idee stammte von einem von ihnen, den die Lesung, die Michael Batz für den Tag der Befreiung von Auschwitz 2014 inszeniert hatte, tief beeindruckte. Das wiederum beeindruckte Berit Juppenlatz, die die die Jugendlichen die Texte im schnellen Wechsel frei sprechen lässt. Mal statisch am Bühnenrand, mal die ganze Bühne durchschreitend oder im Zwiegespräch spielen sie die Akteure der Euthanasie und auch Angehörige der Opfer. Eine beeindruckende Arbeit zur Aufklärung über grauenvolles Nazi-Geschehen.
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1 Kommentar
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Andreas Babel aus Rothenburgsort | 04.07.2017 | 08:24  
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