„Valbona soll in Hamburg bleiben“

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Die Klasse der Brecht Schule hat eine Online-Petition gestartet und schon viele Unterschriften gesammelt Foto: Grell
 
Valbona (r.) hat viele Freunde in der Klasse gefunden, darunter Gesa, die mit ihr zusammen gegen die Abschiebung kämpfen will Foto: Grell

Schüler in St. Georg starten Online-Petition gegen die Abschiebung ihrer Klassenkameradin

Von Karen Grell
St. Georg
Valbona sitzt mit grünem Parka und Jeans in der Pausenhalle der Brecht Schule in der Norderstraße zwischen ihren Freundinnen, erzählt von den Erlebnissen des Tages und lacht dabei, obwohl ihr gerade in diesen Tagen oft eher zum Weinen zumute ist. Valbona Tocilla (16) hat Angst vor der Abschiebung. Sie kam mit ihrem Vater und dem Bruder Dritan vor nur 18 Monaten nach Hamburg, spricht fast akzentfrei Deutsch mit einem unglaublich großen Wortschatz und ist auch sonst eine der besten in der Klasse. „Ich hatte in diesem Jahr einen Notendurchschnitt von 2,0“, freut sich das Mädchen, das längst zu einem festen Bestandteil der G10a der Brecht Schule geworden ist. Keiner der Mitschüler kann sich vorstellen, Valbona wieder zu verlieren. Doch ihr Aufenthalt in Deutschland ist ungewiss und die Angst vor der Abschiebung wächst von Tag zu Tag. „Das hier ist unser neues Leben, zurück können wir nicht mehr“, so die 16-Jährige. Als ihr Vater Ahmet (49) immer mehr Probleme auf dem Gemüsemarkt in seinem Heimatort Tirana bekam, als einfacher Verkäufer sogar brutal zusammengeschlagen wurde, traf Valbona eine Entscheidung: „Ich wusste, dass unsere Familie dort in Gefahr war und wir keine andere Wahl hatten als zu fliehen“. Die Schülerin, die meint, dass sie dort bis zu dem Zeitpunkt als ihr Vater bedroht wurde, ein gutes Leben hatte, nahm einen Atlas zur Hand und tippte mit dem Finger auf eine Stadt. „Wir fahren mit dem Bus nach Hamburg“, teilte sie ihrem Vater und dem Bruder mit und besorgte die Fahrkarten. Damals 15 Jahre alt, musste Valbona ihren ganzen Mut für diesen Schritt zusammennehmen. Die Angst war dennoch groß, als sie mit ihrem Hab und Gut in Richtung Norden starteten. Die Sorge um das eigene Leben überwog und so ging die Reise in Albanien los und endete in Hamburg-Harburg in einer Erstaufnahme. Heute lebt die kleine Familie in Wilhelmsburg und wartet auf die Entscheidung um ihren Asylantrag. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge lehnte diesen ab, und den Widerspruch verwarf das Gericht mit einem negativen Entscheid. Doch Valbona will nicht aufgeben. Ihre Mitschüler starteten jetzt sogar eine Online-Petition, um ihre liebgewonnene Mitschülerin zu unterstützen. Über 1.900 Personen haben bereits unterschrieben. „Sie ist super integriert, spricht unglaublich gut Deutsch und hat Pläne für ihre Zukunft“, bestätigt auch Schulleiter Klaus Nemitz, der als Hamburger Bürger einen Härtefallantrag bei der Bürgerschaft gestellt hat. Die Mitschüler haben Unterschriften gesammelt, „weil wir Valbona nicht wieder hergeben wollen“, so die Klassenkameraden samt Lehrerin Andrea Zilch-Kebernik. Dass ausgerechnet Valbona abgeschoben werden soll, obwohl sie in nur wenigen Monaten Deutsch gelernt hat, sich in der Schule engagiert, Freunde gefunden hat und später einmal Ärztin werden will, können die Schüler nicht verstehen. Auch dann, wenn Albanien als sicheres Herkunftsland gilt, liegt hier nach Ansicht aller, die die Geschichte der geflüchteten Familie kennen, ein ganz spezieller Fall vor. Eine Zukunft gibt es aufgrund der Gewaltandrohungen für die Familie in Albanien nicht mehr. „Wir können nicht zurück“, weiß Valbona und sie gibt die Hoffnung nicht auf, dass man ihr Schicksal verstehen wird.

Weitere Infos: openPetition Deutschland
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