Verdrängung nach St. Georg

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Seit es ein Aufenthaltsverbot rund um den Hauptbahnhof gibt, hat sich die Szene einfach ein paar Meter weiter in den Stadtteil hinein verschoben Foto: Grell

Anwohner und Einwohnerverein: Vermehrt Wohnungslose vom Hauptbahnhof

St. Georg. Mit dem Slogan „Platte machen ist kein Campingurlaub“ hat in der vergangenen Woche eine Solidaritätsdemonstration für die Obdachlosen am Hauptbahnhof und im City-Bereich stattgefunden. „Eine Brücke ist kein Zuhause“ und „Wohnungsnot beenden“ – mit diesen Forderungen auf großen Bannern hat das Hamburger Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot an der Kennedybrücke demonstriert.
Zelte brannten
Anlass dafür war der vorangegangene Brandanschlag auf die Zelte einiger Obdachloser, die dadurch ihre wenigen Habseligkeiten verloren hatten. Verletzt worden war bei dem Feuer niemand. Die Tat gestand ein 17-jähriger Ausreißer, der selber in der Szene der Obdachlosen rund um den Hauptbahnhof unterwegs war. „Es gibt zu wenige öffentliche Einrichtungen zur Unterbringung obdachloser Menschen in Hamburg“, sagt Bettina Reuter, Sprecherin des Aktionsbündnisses. Viele Obdachlose suchten sich deshalb draußen eine „Platte“, anstatt einen Platz im Mehrbettzimmer einer Massenunterkunft in Anspruch zu nehmen, von denen es auch immer noch viel zu wenige gäbe. Dass dann auch unterein-
ander Probleme entstünden, bliebe dabei nicht aus, sagt Günther, der seit zehn Jahren „Platte macht“. Immer wieder käme es zwischen den Wohnungslosen zu Streit um Kleinigkeiten, denn „auf der Straße leben macht einsam und verzweifelt“, so der Obdachlose, der versucht, sich im Stadtteil durchzubringen.
Das Problem der Obdachlosigkeit ist gerade in St.Georg deutlich sichtbar. Während jetzt rund um den Hauptbahnhof ein Aufenthaltsverbot für Obdachlose besteht, hat sich deren Standort wieder weiter ins Viertel hinein verlagert.
„Wer nicht mehr dort schlafen soll, wo er seit Jahren eine kleine Nische gefunden hat, der geht einfach ein paar Meter weiter“, so ein Anwohner aus St. Georg, der sich wie viele andere eine Lösung für die Menschen ohne Wohnraum wünschen würde. „Verdrängung ist aber keine Lösung“, heißt es beim Einwohnerverein in St. Georg. (kg)
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