Verjüngungskur für das Museum

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Die Ausstellung „Tattoo“ senkte den Altersschnitt der Besucher im Jahr 2015 beträchtlich Foto: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
 
Turnschuhe im Museum – kein Problem für das Museum für Kunst und Gewerbe Foto: MKG

Mit Turnschuhen und Subkultur gegen die Überalterung

City Das Museum für Kunst und Gewerbe hat sich gemausert: Früher etwas bieder, setzt es immer mehr auch auf die junge Zielgruppe – mit Erfolg. Im Jahr 2015 senkte das Haus am Steintorplatz den Besucher-Altersschnitt auf erstaunliche 45 Jahre. Während viele andere Kunst und Kulturgeschichtliche Museen mit einem Besucherschnitt von Ü50 oder sogar 55 Jahren offenbar vor allem Rentner anziehen, konnte das Museum für Kunst und Gewerbe mit gut besuchten Sonderausstellungen wie „Tattoo“ mit 83.000 Besuchern und dem konsumkritischen Projekt „Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode“ (71.000 Besucher) sehr viele junge Leute locken. In diesen beiden Ausstellungen lag der Altersschnitt sogar nur bei 35 Jahren. Und mehr: Die Kunst auf der Haut erwies sich geradezu als Coup im Kampf um Erstbesucher, 54 Prozent derjenigen, die die kunstvollen Hautbilder sehen wollten, waren vorher noch nie in dem Haus am Steintorplatz, viele hatten wahrscheinlich überhaupt noch nie ein Kunstmuseum von innen gesehen. Die Verjüngungskur ist Programm und soll 2016 weitergehen. Direktorin Sabine Schulze freut sich über den Erfolg beim jungen Publikum: „Wir bilden den Durchschnitt der Bevölkerung ab, das finden wir erstrebenswert, die jungen Leute sind die Zukunft der Gesellschaft, wir möchten sie erreichen.“ Die Trümpfe für die Verjüngungskur in 2016 deckte das Museumsteam bei der Jahrespressekonferenz auf: Im Januar ging es bereits in die „Subkultur der 1980er-Jahre“. Mode soll im Frühjahr und Herbst junge Akzente setzen: „Sneaker. Design für schnelle Füße“ (ab 12. Mai) und die Ausstellung „sports/ no sports“ über Sportmode im Spätsommer. Den Sorgen vor zu viel Product Placement begegnet Museumsdirektorin Sabine Schulze gelassen. „Nein, direkte Sponsoren für die Ausstellung gibt es nicht“, Förderung passiere ausschließlich über Stiftungen. Auch Vorwürfe, man würde im Programm zu viel Rücksicht auf die Jugend nehmen, womöglich zu Lasten des intellektuellen Anspruchs, weist die Museums-Chefin entschieden zurück: „Die Auseinandersetzung mit Konsum ist etwas, das uns seit unserer Gründung begleitet. Es geht um das gesellschaftliche Phänomen, darum, welche Rolle Sportkleidung und Sportschuhe in unserem Alltag spielen.“ Ein weiteres Highlight für junge und ältere Besucher wird ganz sicher auch die Ausstellung über Mangas, japanische Comics, im Sommer (ab 7. Juni). Es steht auch die historische Dimension dieser Popkultur im Vordergrund: Bereits 1680 gab es in Japan Holzschnitte, die ganz ähnliche Erzählstrukturen aufweisen wie die modernen Comics. Gespannt sein können die Besucher auch auf die große Fotoausstellung „Re/Vision“, die die umfangreiche Sammlung des Museums für Kunst und Gewerbe vorstellen soll, immerhin umfasst der Bestand rund 75.000 Exponate, von denen besonders interessante Stücke aus verschiedenen Sammlungsbereichen präsentiert werden sollen. Es sieht also ganz so aus, als ob die beachtliche Besucherzahl von über 241.000 Gästen im Jahr 2015 auch in 2016 erneut anvisiert oder vielleicht sogar übertroffen werden kann. (sh)

Dienstag bis Sonntag, 10-18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr, Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorplatz, Eintritt: 12 Euro, ermäßigt 8 Euro, Donnerstag ab 17 Uhr, 8 Euro, bis 17 Jahre frei
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