Voller Glanz und Tragik

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Treffpunkt der Generationen: Doch viele Besucher wissen nur wenig über die Geschichte des Stadtparks Fotos: wb/Gabriel
 
Magnussen im Kreis seiner Mitstreiter an der ersten Rundgangsstation am Modellbootbecken. Hier stand einst die große Stadthalle

Saisonstart für die historischen Führungen des Stadtpark-Vereins

Von Susanne Gabriel
Winterhude

Ein wenig Fantasie braucht man schon, wenn man sich den Stadtpark in den 1920-er Jahren vorstellen will: Die riesige Stadthalle mit ihren prunkvollen Veranstaltungen, die eleganten Cafés und die plätschernde Kaskade. Wer weiß heute noch etwas über die kleine Kuranlage, die ausgedehnten Reitwege im Park und die funkelnden Feuerwerke über dem See?

Viele Stadtpark-Besucher haben nie davon gehört. Ebensowenig ist ihnen bekannt, dass der Park mehr war als ein Ort der Erholung und Geselligkeit: Er diente als Stätte für öffentliche Kundgebungen, war im Krieg Flakstützpunkt, später dann Wohnort und Nahrungsquelle für die Ausgebombten. Die Schicksale ganzer Generationen waren mit dem Stadtpark verknüpft. Auch spiegelte sich in dem Gartendenkmal der jeweilig vorherrschende Zeitgeist wider: für Mode, Kunst und Architektur gleichermaßen.
All dies und noch vieles mehr weiß Diederich B. Magnussen zu erzählen. Der Fotograf im (Un-)Ruhestand ist Winterhuder von ganzem Herzen. Der Stadtpark hat es ihm besonders angetan: Seit 2014 führt er für den Stadtpark-Verein historische Parkrundgänge durch.

Zum Saisonstart waren am Treffpunkt nahe dem Modellbootteich viele auf den Beinen: Familien mit Kinderwagen, verliebte Pärchen, jugendliche Cliquen, Jogger, Hundebesitzer und Radfahrer. Doch die Rundgangsteilnehmer wollen mehr als das Wetter und den Park genießen.
An zahlreichen Stationen berichtet Magnussen von der Entstehungsgeschichte des Parks und seinen im Krieg zerstörten Bauwerken. „Wirklich, das hat es hier früher gegeben?“, fragen die Teilnehmer immer wieder ungläubig. Geduldig beantwortet Magnussen alle Fragen und erzählt kleine Anekdoten, die die Geschichte erst richtig lebendig machen. „Leider können wir in zwei Stunden nicht alles schaffen“, bedauert er: „Dafür ist der Park einfach zu groß und die Historie zu vielschichtig .“

Was bewegt Magnussen, Menschen durch den Stadtpark zu führen? „Die Historie des Parks ist einfach spannend, ich möchte sie den Bürgern zugänglich machen“, erklärt er. Dem umtriebigen Rentner geht es jedoch noch um mehr. „So vieles wird hier beschädigt und zerstört“, sagt er nachdenklich. Und weiter: „Ich hoffe, dass die Rundgänge ein Bewusstsein dafür schaffen, was dabei verloren geht. Der Stadtpark ist ein Geschenk, das wir für unsere Nachwelt schützen und erhalten müssen.“
Magnussen ist nicht allein – mit ihm sind im Schnitt fünf Kollegen des Stadtpark-Vereins als „Rundgänger“ im Einsatz. Die Gruppe kann sich über einen starken Zulauf freuen: Nach dem großen Boom zum Stadtpark-Geburtstag 2014 folgte im vergangenen Jahr eine weitere erfolgreiche Saison. So nahmen 2015 inklusive der Gruppenbuchungen mehrere hundert Personen an den Führungen teil. In der kühlen Jahreszeit werden „Schietwedder-Rundgänge“ in Form von Präsentationen angeboten, die sich inzwischen ebenfalls großer Beliebtheit erfreuen. Zurzeit arbeiten die Rundgänger an einer speziellen Skulpturenführung.

Weitere Infos und Termine gibt es im Internet unter stadtparkverein.de
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