Vom Leben im Container

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Antje Cakmak und Andrea Hniopek treffen sich bei den Containern und besprechen dort auch, wenn es bei den Frauen Probleme gibt. „Uns fehlt es an allen Ecken, so die Sozialarbeiterin, die meint, es könnte noch zehn Mal so viele Unterkünfte für Frauen geben Fotos: Grell
 
Antje Cakmak lebt seit ein paar Monaten in den Containern für obdachlose Frauen. Sie hat die wenigen Quadratmeter liebevoll dekoriert. Über die Möglichkeit, hier ein Dach über dem Kopf zu haben, ist sie glücklich

Plätze für obdachlose Frauen waren schnell vergeben

St. Georg. Das Winternotprogramm hat begonnen und überall in der Stadt gibt es Plätze für Obdachlose. Keiner soll auf der Straße erfrieren müssen, lautet die Devise der Behörden, dennoch fehlen immer wieder Plätze, weiß Andrea Hniopek von der Caritas, die mit anderen Mitarbeitern zusammen die Container für obdachlose Frauen auf dem Parkplatz der Hochschule für Angewandte Wissenschaften HAW betreut. Eine der Frauen, die hier in diesem Winter wohnen ist Antje Cakmak. Sie ist froh, diese Möglichkeit zu bekommen und hat sich den halben Container, der eine Tür und ein Fenster besitzt, so wohnlich eingerichtet, wie es ein paar Quadratmeter hergeben. In der Mitte ein Bett, links ein winziger Schrank, in der Ecke ein Fernseher. Liebevoll hat Antje ihr Bett bezogen, ein paar Kuscheltiere dekoriert und einen Engel auf den Tisch gestellt.

Ein Stück Heimat

Sie ist stolz darauf, ihr Stück Heimat so ordentlich vorzeigen zu können. Ein halbes Dutzend Container für obdachlose Frauen steht direkt an der Wallstraße, versteckt zwischen hohen Bäumen und noch höheren Gebäuden. „Unsere Frauen, die will doch niemand haben“, bedauert Andrea Hniopek die Lage der Frauen, von denen laut Statistik, nur wenige wieder in ein normales Leben zurückfinden. „Eine Wohnung, das bedeutet ja auch Verantwortung übernehmen“, weiß die Sozialarbeiterin und das würden viele allein gar nicht schaffen. Die Plätze in den Containern waren alle bereits am ersten Tag vergeben. Wer heute noch nach einer Bleibe sucht, der ist zu spät dran und landet wieder auf der Straße.

Wenig einladend

Einladend wirken die aschgrauen Behelfswohnungen mit verschlossenen Fensterjalousien auf keinem Fall und dennoch sind die Frauen, die sich hier zu zehnt das Gelände, einen Küchenraum und die Waschgelegenheiten teilen, glücklich, ein Dach über dem Kopf zu haben. „Auf der Straße ist es noch viel härter“, erzählt Antje Cakmak, die ihre Schlafstätte auf keinem Fall verlieren will. Wir haben Licht, zwei Toiletten und sechs Spiegel, beschreibt die Bewohnerin ihre Situation im Containerdorf. Für Verpflegung, Wasch-utensilien und Kleidung sorgen die Frauen selber. „Es fehlt uns an allen Ecken“, betont Andrea Hniopek. Da sie keinen Platz zum Verstauen hat, muss sie die Frauen in die Kleiderkammern schicken, Sachspenden kann sie nur ganz wenige annehmen. „Über Kaffee und Handtücher freuen wir uns, aber eigentlich brauchen wir Geld...“
Die meisten der Bewohnerinnen kommen mit einem Koffer in der Hand, der dann samt Inhalt unter das Bett geschoben wird. Mehr Platz ist einfach auf den wenigen Quadratmetern nicht da. „Das Leben auf der Straße, das führt in einen Teufelskreis“, so die Mitarbeiterin der Caritas. Wer am Arbeitsplatz versagt und diesen verliert, der steht auch schnell am finanziellen Abgrund. „Viele Frauen, die zu uns kommen, sind auch psychisch sehr belastet“, beobachtet die Sozialarbeiterin, während Männer oft in die Alkoholabhängigkeit fallen.

Das Beste draus machen

Antje Cakmak will das Beste aus ihrer Situation machen und achtet sehr darauf, dass ihr Container ein wenig gemütlich wirkt und dass die Toiletten ordentlich aussehen „eigentlich kommen wir hier ganz gut zurecht“, meint die junge Frau, die nun schon seit ein paar Monaten im Container lebt. (kg)
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