Weiter Diskussionen um den HansaMarkt

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Viel Grün prägte die bisherigen HansaMärkte auf dem Hansaplatz Foto: Kunstraum Hosenstall

Parteien befürchten „Sonntagsöffnung durch die Hintertür“

St. Georg. Warum darf der HansaMarkt nicht regelmäßig auf dem Hansaplatz veranstaltet werden? Das fragen sich die Betreiber und viele St.Georger und finden keine Antwort (das WochenBlatt berichtete). Ende vergangenen Jahres hatte der Verein KunstRaum Hosenstall, der seit 2006 eine Galerie in der Ellmenreichstraße betreibt, ein Konzept für seinen HansaMarkt - „Regionaleinkauf mit Erlebnis und Wissen“ beim Bezirksamt Hamburg-Mitte eingereicht. Bereits seit Ende 2011 hatte der Verein Pläne zu einem Markt mit regionalen Produkten aus Hamburgs Umgebung entwickelt, auf dem nicht der Verkauf, sondern die Wissensvermittlung über ökologische Produkte im Mittelpunkt steht. Insbesondere Kinder und Jugendliche sollten spielerisch an dieses Thema herangeführt werden.
Ein erster HansaMarkt fand am 11. November 2012 statt. Kunst Raum Hosenstall beabsichtigte für 2013 von April bis November an jedem zweiten Sonntag im Monat einen HansaMarkt auf dem Hansaplatz zu veranstalten. Ein entsprechender Antrag wurde beim Bezirksamt eingereicht. „Dann hörten wir lange Zeit nichts“, erzählt Isolde Werner, die erste Vorsitzende von Kunst Raum Hosenstall e.V.
Am 14. April veranstaltete der Verein den HansaMarkt mit neun Gewerbetreibenden und zwei Kulturprogrammen, ohne auf eine Antwort des Bezirksamtes zu warten. Der City Ausschuss der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte und der Stadtteilbeirat St. Georg stimmten der Veranstaltung zu. Doch der nächste HansaMarkt im Mai wurde nicht genehmigt. Märkte dürfen sonntags nur viermal im Jahr veranstaltet werden, begründete das Bezirksamt. Kunstraum Hosenstall schaltete einen Rechtsanwalt ein, der eine Erlaubnis für den 14. Juli erwirkte. Der Jurist hatte herausgefunden, dass Märkte dieser Art einmal im Monat veranstaltet werden dürfen. Der HansaMarkt fand ein drittes Mal statt und erfreute viele St. Georger. Doch im August war wieder Schluss. Der zweite Sonntag in diesem Monat war der 11. August. Der zweite Sonntag in diesem Monat war der 11. August – drei Tage zu früh, um einen Monat im Zeitabstand zum 14. Juli voll zu machen, befand das Bezirksamt. Das empfindet nicht nur der Betreiber des Marktes als an den Haaren herbeigezogen.
Kunstraum Hosenstall will nun vorerst keine weiteren Märkte organisieren. „Wir haben viel Kraft in diese Veranstaltung gesteckt. Wir haben Absprachen, Verpflichtungen gegenüber unseren Lieferanten. Wir brauchen Planungssicherheit“, ärgert sich Isolde Werner.
Offiziell begrüßen alle Fraktionen der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte den HansaMarkt. SPD und Grüne halten ihn aber in erster Linie für eine Verkaufsveranstaltung, die sonntags nur an den vier Verkaufsoffenen Sonntagen gestattet sei. „Wir können keine Sonntagsöffnung durch die Hintertür genehmigen. Das Gleichheitsprinzip gegenüber anderen Marktveranstaltungen verbietet eine Zusage über vier Sonntage hinaus. Eine Genehmigung an allen anderen Tagen wäre kein Problem“, erläutert Falko Droßmann, der SPD-Fraktionsvorsitzende. Andere Tage aber seien ungünstig für Marktbeschicker und Publikum, argumentiert Kunstraum Hosenstall. „Das Sonntagsverkaufsverbot würde hintergangen. Die Gleichberechtigung wäre nicht gewährleistet“, pflichtet ihm sein Kollege Michael Osterburg von den Grünen bei. Bernhard Stietz-Leipnitz, St. Georger Bezirksabgeordneter der Linken, findet dagegen, dass es bei der Beurteilung, ob der HansaMarkt in erster Linie eine Verkaufsveranstaltung ist oder nicht, einen „Ermessensspielraum“ gebe. „Hier wird über regionale Produkte und Ökologie informiert. Das ist etwa anderes, als wenn jemand nur seine Äpfel verkauft“, erläutert Stietz-Leipnitz. Piraten und CDU befremdet das Vorgehen das Bezirksamtes. „Das ganze Hick-Hack um die Termine des HansaMarktes ist uns suspekt. Es ist sehr merkwürdig. Wir hoffen, dass Klarheit in die Sache kommt“, kommentiert Andreas Gerhold, der Fraktionsvorsitzende der Piraten. „Wir sind überrascht, wie restriktiv das Bezirksamt die Sache handhabt. Wir sollten nicht päpstlicher als der Papst sein“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Jörn Frommann.
Gemunkelt wird allerdings auch, dass das offenbar sehr entschiedene Auftreten der HansaMarkt-Vertreter im Hauptausschuss manchen Abgeordneten verärgert hat. Bekommen die Marktbetreiber dafür jetzt die Quittung? (ch)
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