Wenn Lessing lässig schwebt

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Zunächst wird das Stromnetz saniert, dann kommt der Platz an die Reihe Foto: fbt
 
Projektleiterin ist Senta Klafki Foto: fbt

Umbau am Gänsemarkt soll noch in diesem Jahr fertig werden

Von Frank Berno Timm
City
Die Renovierung des Gänsemarkts soll in diesem Jahr über die Bühne gehen. Das Lessingdenkmal kommt wieder in die Mitte, weitere Bäume werden gepflanzt und der Platz wird einheitlich gepflastert. Zunächst wird das Stromnetz in Ordnung gebracht. Was wohl der Aufklärer Gotthold Ephraim Lessing (1729-81) dazu sagen würde, dass sein Denkmal am Kranhaken über den Platz schwebt? Fest steht: Sein derzeitiges Zuhause, der Gänsemarkt, wird kräftig aufgeräumt und renoviert, und der Dichter, der zu den wichtigen Geistesgrößen Hamburger Geschichte zählt, wird wieder in die Mitte rücken. Die Pläne zur Erneuerung des Gänsemarkts sind im Prinzip bekannt, neu ist, dass der Platz in diesem Jahr fertigwerden soll. Sebastian Binger und Senta Klafki von der zuständigen Business-Improvement-District-Gesellschaft (BID) stellten vorige Woche gemeinsam mit Gänsemarkt-Geschäftsleuten die abgewandelten Pläne vor.
Demnach ist vorgesehen, dass mit den fälligen Stromnetz-Sanierungen am Gänsemarkt begonnen wird; dies sei „Goodwill diesem Projekt gegenüber“, sagt Stromnetz-Sprecherin Anette Polkehn-Happel. Die sichtbarste Veränderung wird sein, dass das Lessing-Denkmal wieder in die Mitte des Platzes rückt und Sitzgelegenheiten bekommt. Für insgesamt 2,7 Mio. Euro Gesamtkosten werden laut Projektleiterin Senta Klafki außerdem drei neue Bäume gepflanzt, acht Meter lange Holzbänke aufgestellt und der ganze Platz mit einer Pflasterung versehen, die aus portugiesischem Granit besteht. Die Gänsemarkt-Geschäftsleute zeigten sich angetan. Anwalt Carl Vogt, Chef der IG Gänsemarkt, freut sich, „wenn das alles ein bisschen schöner wird“. Juwelier Nicolaus Giercke reagiert ähnlich, lässt aber durchblicken, dass er immer wieder „Baugruben vor der Tür“ hatte. Herrenausstatter Frank Rudolf hofft auf einen „langfristig schönen Zustand“. Restaurantleiter Olaf Dobbert von Vapiano erhofft sich für alle Beteiligten eine Umsatzsteigerung. Stefan Böse, Inhaber der Stadtbäckerei, ist seit 1681 am Platz, noch nicht ganz so lange i-Punkt (seit 1974); es habe „nie eine Alternative“ zum Gänsemarkt gegeben. In der Runde der Geschäftsleute ist deutlich der Wunsch spürbar, dass sich der Platz wieder zu einem Anziehungspunkt in der Hamburger Innenstadt entwickelt. Das BID-Quartier Gänsemarkt reicht außerdem in die ABC-, die Gerhof- und die Poststraße hinein. Die aktualisierten Pläne sehen nun vor, den Gänsemarkt selbst statt Mitte 2017 nun Mitte 2016 herzurichten, Ende des Jahres ist die Fertigstellung geplant. Die Fertigstellung der ABC-Straße wird von März auf Juni verschoben, die der Poststraße von Mitte 2016 auf Anfang 2017; die Gerhofstraße soll statt Ende 2016 Mitte 2017 fertig werden. Es geht um 8.000 Quadratmeter öffentlichen Raum mit zwölf denkmalgeschützten Gebäuden und zehn Gastronomiebetrieben. Die Planer haben insgesamt vier neue Bäume vorgesehen. Auf dem Platz selbst hat der Baulärm längst begonnen. Arbeiter polken die Pflasterung an der Finanzbehörde (der Bau stammt von Hamburgs „Architekturvater“ Fritz Schumacher) heraus. Auch am Stefan-Böse-Haus gegenüber wird gewerkelt. Ein Betonmischer manövriert rückwärts in die Gerhofstraße hinein. Lessing übrigens ist in seiner Hamburger Zeit oft hier gewesen: Laut hamburg.de stand das Theater, an dem er gearbeitet hat, am Gänsemarkt.
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