Wir sind die Mülldetektive

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Die Müll-Inspektoren Mladen Knezevic (l.) und Patrick Wischhöfer mit dem „Tagesfund“: Unbekannte haben einen PC am Straßenrand entsorgt Fotos: Grell
 
Lange Reihe: Ein entsorgter Karton wird eingesammelt

Vom PC bis zum Einkaufswagen: Was die „Waste Watcher“alles finden

Von Karen Grell
Hamburg. Nach massiven Anwohnerbeschwerden steht der Stadtteil momentan besonders im Fokus, was die Beseitigung von Dreck und Abfall betrifft. Die Stadtreinigung hat das Team der Müllinspektoren verstärkt, die auch „Waste Watcher“ genannt werden. Sie sind derzeit verstärkt im Stadtteil unterwegs. Das Wochenblatt hat sie eine Stunde lang beim Einsatz begleitet.
Sie verteilen keine Strafzettel, treiben auch keine Bußgelder ein. „Wir wollen die Guten sein“, erklären Patrick Wischhöfer und Mladen Knezevic. Sie gehören zum Team der „Waste Watcher“.
Ihr Job: Erwischen sie Müll-Sünder in flagranti, belehren sie sie freundlich. „Das soll Müll-Sünder dazu bewegen, ihr Verhalten zu ändern“, sagen die beiden.
Was die beiden Mitarbeiter im Bahnhofsviertel St. Georg binnen einer Stunde an Abfall fanden, was sie mit den Einwohnern erleben - ein Protokoll.

14 Uhr Treffpunkt Hansa-brunnen. Der Fund zum Auftakt: eine Mülltüte, prall gefüllt, die vermutlich in eine der bereitgestellten Mülltonnen gestopft werden sollte. Sie wurde neben den Behälter gestellt. Kein Problem für die Waste-Watcher, die zwar nicht für die Beseitigung zuständig sind, die Tüte aber dennoch mitnehmen und in einen leeren Eimer werfen.
14.08 Uhr Lange Reihe: Eine zerrissene Plastiktüte mit zerbrochenem Fensterglas gefüllt bedeutet eine Verletzungsgefahr für alle Passanten und wird in einen der neuen BigBellys entsorgt.
14.15 Uhr Lange Reihe: Eines der vielen Schrotträder, die im Viertel angeschlossen wurden, fotografieren die Waste-Watchern, um es später den Wagen der Stadtreinigung zu melden.
14.25 Uhr Schmilinskystraße: Ein Einkaufswagen wurde gleich neben dem Spielplatz entsorgt. Der Gruppenleiter wird per Handy informiert. Der kümmert sich dann um die Abholung per Lkw.
14.32 Uhr Lohmühlenpark: Gespräch mit Kita-Mitarbeiterin Kerstin Timme-Schüler. Sie berichtet von der von Hunden verdreckten Wiese. Spielen sei da unmöglich, beschwert sich die Erzieherin. Eigentlich müssen die Halter die Häufchen einsammeln. Tun viele aber nicht. „Da können wir nichts tun“, bedauern Patrick Wischhöfer und Mladen Knezevic.
14.40 Uhr Brennerstraße: Mit gutem Beispiel gehen die Stadtteilschüler voran. Sie haben einen Kippen-Eimer gebaut, der vor dem Schulhaus steht. So bleibt der Gehsteig verschont.
14.45 Uhr Koppel: Wieder ein Einkaufswagen auf der Straße. Zweiter Anruf beim Gruppenleiter.
14.50 Uhr Der bisher schwerwiegendste Fund direkt vor einem Café in der Langen Reihe: ein ausgeschlachteter Computer wurde unter einem Baum entsorgt.
14.55 Uhr Lange Reihe: ein roter Mülleimer brennt im Bereich des Aschenbechers. Die Waste-Watcher geben Entwarnung, ein Übergreifen auf den Innenbereich sei unmöglich.
14.58 Uhr Juwelier Meister Lalla berichtet: Die roten Müllsäcke seien vor seiner Haustür seien ständig aufgerissen, Ratten kämen. Die Bewohner sollten doch die Tage der Müllabfuhr beachten.
15 Uhr Hansaplatz: Fazit der Waste-Watcher: Niemanden erwischt, aber jede Menge gefährlichen Müll beseitigt, ein paar interessante Hinweise bekommen und nette Gespräche geführt. Ob St. Georg aber so wirklich sauber wird? (kg)
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