„Wir sind richtig sauer“

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Die Spenden können beim Pik As an diesem Sonntag nicht abgegeben werden. Die Helfer sind sauer und ärgern sich über zu viel Bürokratie Foto: kg

Mangelnde Absprache: Pik As von Spendenflut für Obdachlose überfordert

City Mit einer einfachen Idee fing Kalle Haverlands Spendenaktion am 30. Dezember des vergangenen Jahres an. Er postete auf Facebook seine Absicht, an jeden Obdachlosen in Hamburg zum Jahreswechsel fünf Euro zu verschenken. „Am nächsten Tag hatte ich bereits 600 Euro auf dem Konto“, erinnert Havelland den Beginn seiner Hilfsaktion. „Dann haben wir Lebensmittel eingekauft und zum Pik As gebracht“, so der Hamburger Schauspieler. Hygieneartikel waren besonders gefragt. Kein Problem für Kalle Haverland, der viele Kontakte in der ganzen Stadt hat und durch einen neuen Aufruf gleich über 30 Leute dazu bewegte, sich am vergangenen Sonntag am Pik As zu treffen und die gewünschten Spenden gleich mitzubringen. Doch die Erwartungen übertrafen jede Vorstellung und mit dem Inhalt einiger gefüllter Kofferräume hatte man in der Einrichtung für obdachlose Menschen dann doch nicht gerechnet. „Wir sind richtig sauer“, betont Roswitha Eweling, eine Spenderin, als die gesamte Truppe mit ihren vielen Spenden, darunter Unterwäsche, Rasierschaum, warme Winterjacken und Kämme, einfach an der Tür abgewiesen wurden. „Wir sollen das Gebäude nicht betreten“. Kalle Haverland ist entsetzt; „Es ist in dem bürokratischen Deutschland nicht einfach Gutes zu tun“. Noch im Dezember hatte er selber an die Obdachlosen in der Stadt Kleidung und Lebensmittel verteilt. Als dann aber auch noch ein ganzer Lieferwagen aus den Messehallen beim Pik As vorfährt, muss spontan neu geplant werden. Das katholische Haus Betlehem, das gleich um die Ecke seine Räume hat, nimmt die Spenden dankend entgegen. Es gibt sogar einen kleinen Dankesorden.
„Schade, dass es so schwer ist so viele schöne Sachspenden unterzubringen“, meinen die Helfer. Beim Pik As scheint es sich ganz einfach um einen Fehler beim Informationsaustausch zu handeln. „Eine Spendenaktion, in dem Umfang, wie sie am vergangenen Sonntag das Pik As erreichte, war leider nicht mit fördern und wohnen abgesprochen“, bedauert Sprecherin Jasmin Lotz. Das Pik As erhalte regelmäßig Sachspenden und gibt diese dankend an die Obdachlosen in der Einrichtung weiter. „Bei größeren Mengen fehlt es jedoch an Lagerfläche und Personal, um diese sortieren und verteilen zu können“, so Lotz zur aktuellen Situation im Pik As. Jede Spendenaktion sollte deshalb vorher angekündigt und abgesprochen werden. Kalle Haverland macht auf jeden Fall trotzdem weiter. Er hofft einfach auf weniger Bürokratie. „Die Menschen können doch alles gebrauchen und wenn man mir sagt, da fehlt Shampoo, dann komme ich eben nicht nur mit einer, sondern gleich mit 100 Flaschen.“ (kg)
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3 Kommentare
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theresa jakob aus Neustadt | 03.02.2016 | 11:49  
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Sabine Maßmann aus Fuhlsbüttel | 04.02.2016 | 08:37  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 04.02.2016 | 09:42  
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