Woher der Name Pik As stammt

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Das alte Backsteingebäude des Pik-As wurde 1913 zum ersten Mal als Notunterkunft für Obdachlose eröffnet und bietet 210 Betten. Gerade im Winter oft zu wenig für die vielen Menschen, die hier einen Platz zum Schlafen suchen Foto: Grell

Deutschlands ältestes Asyl besteht seit 100 Jahren

City. Hamburgs bekanntes Obdachlosenasyl, das Pik As, besteht jetzt seit 100 Jahren. Damit ist es gleichzeitig auch Deutschlands älteste Übernachtungsstätte für Wohnungslose. Der Hamburger Hafen feierte Hochkonjunktur und viele Wanderarbeiter kamen in die Stadt, als die Einrichtung am 11. Oktober 1913 in der Neustädter Straße eröffnet wurde.
Ein Dach über den Kopf hatten sie deshalb noch lange nicht und schon damals bot das Pik As, dessen Namen aus der früheren Amtsbezeichnung „Polizei-Asyl“, kurz P.As. entstand, den zugereisten Arbeitern eine Bleibe. Schon vor 100 Jahren reichten die Schlafplätze oft nicht aus für die große Nachfrage, wenn es dunkel wurde und auch heute noch, wenn erst die Kälte vielen das Leben auf der Straße unmöglich macht, sind 210 Betten meist viel zu wenig.
„Das Pik As ist für viele Menschen eine erste Anlaufstelle für ein neues Leben“, betonte Sozialsenator Detlef Scheele zum Jubiläum. Dagegen sagt Sait M. (41), einer der Nutzer: „Ich fühle mich eher an einer Endstation angekommen.“
Seine eigene Pizzeria auf den Ostfriesischen Inseln habe aufgeben müssen und durch die Scheidung auch noch die Wohnung verloren, sagt er. Er kam nach Hamburg, in der Hoffnung, hier wieder einen Job zu finden. Das ist jetzt mehrere Wochen her und weder hat er einen Arbeitsplatz gefunden noch eine eigene Unterkunft.
„Ich bin seit zwei Wochen im Pik As, und für eine Stadt, die Millionen in die Elbphilharmonie steckt, ist dieses Haus hier beschämend“. Sait M. hat sich gut gekleidet, besitzt ein Handy und wird von vielen am Tag der offenen Tür als Mitarbeiter angesprochen.
„Ein paar Monate hier und man ist körperlich und psychisch am Ende“, befürchtet der gebürtige Iraner, der zusammen mit acht anderen in einem Zimmer schläft.
700.000 Goldmark hat der Bau 1913 gekostet, 1,56 Millionen Euro stellt die Stadt aktuell im Jahr für den Betrieb zur Verfügung. „Es müsste viele solcher Häuser für obdachlose Menschen in der Stadt geben“, meint Roswita Bauer (56), die zur Jubiläumsfeier gekommen ist, weil sie selber auch einmal kurz vor der Obdachlosigkeit stand. „Das ist ein Teufelskreis, der sich schnell zu drehen beginnt“. Keine Arbeit, keine Wohnung, kein Konto bei der Bank und schon sei man am Rande der Gesellschaft angekommen.
Doch trotz der schwierigen Bedingungen, die hier für Bewohner und Mitarbeiter oft den Alltag bestimmen, seien auch viele Freundschaften entstanden. (kg)
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