Wohlers bleibt!

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Jürgen Wohlers und Ingrid Ness- Krohn ist die Erleichterung anzusehen. Fünf Jahre lang geht es weiter. Der Erfolg soll nun groß gefeiert werden.Foto: kg
 
Diesen Anblick werden die St. Georgianer weiter genießen dürfen. Foto: kg

Schweizer Hotelier übernimmt Mietvertrag

Von Karen Grell/Marco Thielcke

St. Georg. Der Streit um die Traditionsbuchhandlung Wohlers nimmt scheinbar doch ein gutes Ende. Nach Monaten des Protestes im Viertel bleibt Wohlers für weitere fünf Jahre. Der Einwohnerverein St. Georg der die vergangenen Proteste im Viertel organisierte war erleichtert. „Wir sind froh und stolz, St. Georgs Traditionsbuchhandlung gerettet zu haben“, so der Einwohnerverein St. Georg am Montag. Wie das Hamburger Abendblatt berichtete, kam nun aber heraus, dass die Rettung der Buchhandlung jemand anderem zu verdanken ist. Die Bürgerinitiative hat die Öffentlichkeit auf die drohende Schließung zwar aufmerksam gemacht, an der Lösung des Problems aber nicht aktiv beigetragen, sagt Andy Grote (SPD), Bezirksamtsleiter von Mitte.
Der Schweizer Hotelier Felix Schlatter, der in St. Georg das Hotel Wedina führt übernimmt den Mietvertrag. Die Verträge sind zwar noch nicht unterschrieben, doch Vermieter Frank Jendrusch und Schlatter haben sich geeinigt. Jendrusch rückte von seiner Forderung von 4100 Euro ab und vermietet die Räume der Buchhandlung Wohlers für 3200 Euro an den Schweizer Buchliebhaber.
Jürgen Wohlers, Inhaber der Buchhandlung, wird zum Untermieter mit günstigeren Konditionen. Die Differenz zahlt der großzügige Hotelier.
Schlatter unterstützt die Buchhandlung bereits seit zwölf Jahren, solange betreibt er sein Hotel in St. Georg. „Ich habe meine Gäste immer zu Wohlers geschickt“, so Schlatter, der auch Autoren die bei Wohlers lesen kostenlos bei sich übernachten lässt.
Seit Monaten liegt bei der Buchhandlung Wohlers die Kündigung durch den Vermieter Jendrusch auf dem Tisch. Seit Monaten schon hält auch der Protest im Stadtteil an. Protestveranstaltungen, wie Lesungen vor dem Laden, ein Solidaritätsbuch, in dem die Stimmung im Stadtteil festgehalten wurde und 2000 Unterschriften zeigten, dass sich St. Georg seine alteingesessenen Geschäfte nicht einfach nehmen lässt.
Die Zeit verstrich und mit ihr auch die Hoffnung auf eine Lösung für die Buchhandlung, die bereits in der dritten Generation in der Langen Reihen neue und Antiquare Bücher anbietet. Am wenigsten war es am Ende Jürgen Wohlers selber, der noch Hoffnungen hatte, seinen Laden vor der Mieterhöhung zu retten. „Das ewige hin- und her hat auch die Nerven zermürbt“, so der Geschäftsinhaber. Von 1400 Euro hatte ihm Frank Jendrusch die Mietkosten auf 4200 Euro hinaufgesetzt. „Mit dem Buchladen kann man nicht reich werden“, hatte er stets betont und „Geld kann doch nicht immer das wichtigste auf der Welt sein“, sein Bedauern gegenüber dem anhaltenden Mietenwahnsinn im Stadtteil gezeigt. Das gesamte Viertel hat dann an dem Schicksal des Buchhändlers Anteil genommen, als ein Symbol für den Verfall des Charakters eines Stadtteils, der Jahrzehnte lang durch seine kleinen und sehr persönlichen Läden auffiel. „Wohlers bleibt, dafür sorgen wir“, war in den vergangenen Wochen überall im Stadtteil zu lesen. Auf Plakaten, Aufklebern und mit Kreide vor den Laden geschrieben.
„Die Nachricht ist bei mir irgendwie noch nicht ganz angekommen“, lächelt Jürgen Wohlers. St. Georg, das sei ein ganz besonderer Stadtteil. „Das kann man wohl sagen“. Auch Mitarbeiterin Ingrid Ness-Krohn ist ein Stein vom Herzen gefallen. Seit 43 Jahren steht sie bei Wohlers zwischen den Bücherregalen und kann trotz ihres bereits eingetretenen Rentenalters einfach nicht aufhören.
„Es ist mein Laden, auch wenn er mir nicht wirklich gehört“, lacht die junggebliebene Mitarbeiterin.
Der Einwohnerverein St. Georg will mit dem ersten Vorsitzenden Michael Yoho weiterkämpfen gegen die Mieterhöhungen im Stadtteil und die Entwicklung hin zu einer Amüsiermeile voller Cafés und Restaurants, die hauptsächlich Touristen ansprechen soll. Ein Viertel, in dem viele Familien wohnen, muss auch ein Nahversorgungszentrum bleiben mit einem kleinen Supermarkt, einem Bäcker, dem Schuster und ein selbstverständlich einem Buchladen.
Der Kampf um den Erhalt des Gesichtes St. Georgs soll weitergehen, auch dann, wenn zunächst mit einer großen Party am 10. November um 19 Uhr in der Koppel 66 der Erhalt von Wohlers gefeiert werden soll. (kg/mt)
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