„Wunder“ vom Reichshof

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Soulsängerin Love Newkirk aus Hamburg führte mit Power-Charme durchs Programm Foto: wb

Historisches Hotel nach aufwändiger Renovierung wiedereröffnet

Von Silvia Stammer
St. Georg
Eine Garderobe im Art-Deco-Stil, schier endlose Marmorsäulen, der Eingang zur „Mokkadiele“: Wer durch das Hotel Reichshof Hamburg, gleich neben dem Schauspielhaus, schlendert, entdeckt überall Spuren eines goldenen Zeitalters und den Charme des frühen 20. Jahrhunderts. Jetzt ist diesem Charme durch eine intensive und gleichzeitig behutsame Renovierung neuer Glanz verliehen worden.
1200 Gäste feierten die Wiedereröffnung des Reichshofs mit einem rauschenden Fest. Eine „Wiedergeburt“ und ein „Wunder“ nannte es Ingeborg Langer, frühere Hotelinhaberin und Schwiegertochter des Gründers Anton-Emil Langer (1864 – 1924). Die 77-Jährige war sichtlich begeistert von dem Haus, mit dem die Hilton-Gruppe ihre neue Marke Curio erstmals in Europa positioniert. Hilton zeigt immer wieder Verständnis für Tradition, beispielsweise mit dem Palmer House Hilton in Chicago, einer Hotel-Perle aus dem 19. Jahrhundert. Der Reichshof eröffnete 1910.
Mit viel Liebe zum Detail sei im Reichshof die Sanierung durchgeführt worden, sagte Ingeborg Langer. „Nur wenige Privathoteliers erleben eine so erfolgreiche Fortführung der Geschichte ihres Hauses.“ Ihr Schwiegervater hatte einst als Küchendirektor auf den Hapag-Ozeanlinern gearbeitet und später sein Geld an der Börse und durch Immobiliengeschäfte vermehrt. Ingeborg Langer erinnerte an die Anekdote, als er mit seiner Frau an der Ecke Kirchenallee/Lange Reihe stehengeblieben war, auf das freie Grundstück deutete und beschloss, dort ein Hotel zu bauen. Für Bahnreisende sollte es sein, aber mit maritimen Flair, das bis heute im Restaurant zu bewundern ist. Die geschwungenen Brüstungen, die lackierte Holzvertäfelung – alles von Schiffsausrüster Friese mit Liebe und Sorgfalt gearbeitet.

Lob für Sanierung


Allerdings kenne sie auch das Haus hinter den Kulissen, spielte Ingeborg Langer auf die Tücken einer Altbausanierung an, und lobt vor diesem Hintergrund alle Beteiligten des 30-Mio. Euro-Projektes. Neu im Reichshof ist auch das Restaurant Slowman mit dem Team um Frank Bertram, das vom Chilehaus in den Reichshof nach St. Georg gezogen ist.
Drinnen Champagner und Köstlichkeiten, nur wenige Meter weiter campierende Flüchtlinge im Hauptbahnhof: Schon immer gehen Luxushotels und brutale Realität schlecht zusammen, in Hamburgs Herzstück ist derzeit jedoch die Diskrepanz besonders offensichtlich. Der charismatische General Manager Folke Sievers vergaß daher auch nicht, an Menschen zu erinnern, die Not leiden. Man kümmere sich, sagte er, ohne Einzelheiten zu nennen.
Die 278 Zimmer und (Junior-)Suiten, entkernt und top-stylisch, werden auswärtige Gäste begeistern. Die Hamburger haben mit dem renovierten Reichshof ein einzigartiges Stück Hotel-Historie in St. Georg wiederbekommen: Hier können sie genießen und gleichzeitig auf Zeitreise gehen.
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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 28.09.2015 | 09:03  
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