Zerbrochenen Herzen helfen

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In der Mitte eine Sonne: Wilfried Fuchs und Barbara Heling versuchen, Licht in das Leben trauernder junger Menschen zu bringenFotos: Hanke
 
Gruppenarbeit ist der wichtigste Bestandteil im Programm des Hamburger Vereins. Ziel ist es, Trauer kreativ auszudrücken

Verein zeigt Kindern und Jugendlichen Wege, mit Trauer umzugehen

Von Christian Hanke
City. Für Lars (Name von der Redaktion geändert) wohnt sein Vater in einem Schloss im Himmel, denn Lars‘ Vater ist tot. Der Achtjährige stellt sich vor, dass jeder Himmelsbewohner jedem Menschen ein Herz schickt. Und sein Vater ist für die Vergabe der Herzen zuständig. Damit fühlt sich Lars wohl. Der Vater ist gestorben, aber er nimmt eine herzliche Aufgabe im Himmel wahr.
„Es ist unsere Aufgabe, die Kinder in ihrer Fantasie und Kreativität zu unterstützen“, findet Maria Treut. Maria Treut ist Erzieherin und hat eine zweijährige Ausbildung als Trauerbegleiterin absolviert. Sie arbeitet als Honorarkraft für das Hamburger Zentrum für Kinder und Jugendliche in Trauer e.V., das in der Großen Johannisstraße 13 ansässig ist.
Der Hamburger Trauerzentrum für Kinder und Jugendliche in Trauer e.V. wurde 2009 aus der Erkenntnis heraus gegründet, dass es keine Einrichtung in Hamburg gab, deren Schwerpunkt die Trauerarbeit mit Kinder und Jugendlichen bildete.
Hier haben die Trauerbegleiter drei Räume, darunter ein großes helles Zimmer mit einem großen Tisch, gemütlichen Sesseln, vielen Büchern und Spielen sowie einen Raum mit Küche, in dem Mütter und Väter auf ihre Kinder warten können, wenn diese Zeit in ihren Gruppen verbringen.

„Die Trauer von Kindern wird oft nicht wahrgenommen. Sie funktionieren im Alltag offenbar weiter.“
Wilfried Fuchs


Höchstens acht Kinder und Jugendliche etwa gleichen Alters treffen sich in einer Gruppe, kommen alle zwei Wochen für zwei Stunden in den Räumen des Hamburger Zentrums mitten in der City, zusammen. Meistens für eineinhalb Jahre. Immer sind zwei Trauerbegleiter in einer Gruppe, für den Fall, dass es einem Kind oder Jugendlichen sehr schlecht geht. Acht Gruppen treffen sich derzeit im Hamburger Zentrum. Sechs ausgebildete Trauerbegleiterinnen und -begleiter arbeiten für den gemeinnützigen Verein, der rund 40 Mitglieder hat, die vor allem als Förderer und Spender auftreten.


So wird gearbeitet

„Am Anfang ist das Herz zerbrochen. Dann versuchen wir die trauernden Kinder und Jugendlichen dazu zu animieren, ihre Gefühle kreativ auszudrücken, weil die meisten sie nicht in Worte fassen können“, erklärt Wilfried Fuchs, Erster Vorsitzende und Geschäftsführer des Hamburger Trauerzentrums. Sie stellen zum Beispiel Erinnerungsbretter und Schatzkisten her, auf und in denen sie ihre Trauer in Farben, Schrift und Gegenständen ausdrücken können.

„Es ist unsere Aufgabe, die Kinder in ihrer Fantasie und Kreativität zu unterstützen.“
Maria Treut


„Die Trauer von Kindern wird oft nicht wahrgenommen. Sie funktionieren im Alltag offenbar weiter“, erzählt Wilfried Fuchs. Im Laufe der Gruppenarbeit lernen die Kinder und Jugendlichen von zum Beispiel: Auch Schmerz darf sein. Das Ziel der Trauerbegleitung besteht darin, zu erreichen, dass die jungen Trauernden wieder Lebensmut fassen, dass sie ihr eigenes Leben zu leben, ohne die Verstorbenen zu vergessen. Für ebenso wichtig hält Maria Traut die Begegnung mit Gleichaltrigen in ähnlicher Lage: „Das hilft ihnen sehr. Sie lernen dabei auch: sie können trotz der Trauer fröhlich sein.“ Sollten Kinder aber schwer traumatisiert sein, überweist der Verein sie an Psychologen, denn das sind die Trauerbegleiter nicht.
Neben der Gruppenarbeit fahren die Trauerbegleiter auch in die Familien mit trauernden Kindern und schulen Kita-Leiter und Lehrkräfte in der Trauerbegleitung. Informationen erhält das Hamburger Zentrum oft vom Kriseninterventionsteam des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), die die Erstbetreuung von trauernden Kindern und Jugendlichen zum Beispiel nach dem Unfalltod von Eltern übernehmen. Zukünftig will der Verein sich auch um Kinder von schwer erkrankten Geschwistern kümmen, die vernachlässigt werden, weil sich in der Familie alles um das kranke Kind dreht.
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