Zu wenig Bänke in der City

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Unkonventionelle Notlösungen am Hauptbahnhof: Die Ketten an den Geländern nutzen Passanten gern als Sitzgelegenheit. Foto: Strauß
 
Romantische Ruhepole an der Alster: Die Holzbänke mit Lehnen wünschen sich viele auch für die Shoppingmeile in der Innenstadt. Foto: Strauß

BürgerInnen ärgern sich über nicht vorhandene Sitzgelegenheiten

Von Jutta Strauß
Mitte. Ruhebänke zum Verweilen, vorwiegend mit Sitzflächen aus Metall in den Fußgängerzonen, gibt es im gesamten Innenstadtgebiet.

Dennoch sind viele Bürger unzufrieden, ärgern sich beim Einkaufsbummel über unattraktive Sitzgelegenheiten. „Die Bänke sind oft komplett zu gemüllt. Da will man sich gar nicht erst hinsetzen“, ärgert sich Angelika Wollschläger. Wie viele Hamburger, wünscht sich die 49-Jährige zudem die gute alte Holzbank zurück. „Ich vermisse bei den Bänken ein bisschen das Holz. Es hat so etwas Warmes.“ Radmila Reinert (65) hätte in der City gern mehr Ruhezonen mit südländischem Flair. Die gebürtige Serbin lebt seit 42 Jahren in Hamburg. Vor allem in der warmen Jahreszeit denkt die 65-Jährige wehmütig an ihre Heimat.
Bei uns gibt es ganze Straßenzeilen mit Sitzplätzen. Außerdem ist an jeder Ecke ein Café.“
Die Cafés in der Innenstadt sind ihr zu düster: „Draußen gibt es zu wenig gemütliche Plätze. In eines der wenigen Cafés gehe ich selten. Die sind im Sommer viel zu dunkel.“
Allerdings hat nicht jeder das Bedürfnis, während einer Shoppingtour in der City zwischendurch auf einer Bank verweilen.
„Es gibt eigentlich genügend Sitzgelegenheiten in der Innenstadt. Zum Ausruhen brauchen wir aber Ruhe und Zeit. Da gehe ich lieber in ein Café, zum Beispiel am Jungfernstieg“, so Herbert Jochen (64). Insbesondere in Bahnhofsnähe wünschen sich viele mehr Sitzgelegenheiten. So manche ärgern sich, dass dort in den vergangenen Jahren Sitzbänke entfernt wurden.
Laut Auskunft des Bezirksamtes Hamburg-Mitte ließ sich das nicht vermeiden.
Durch die Drogenszene und von Randgruppen häufig frequentierte Stellen hatte sich die Situation im Bahnhofsumfeld dramatisch verschlechtert.
Müll, mangelnde Hygiene und Belästigungen bestimmten den Alltag. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, wurden einige Bänke bewusst abgebaut.
An einigen Stellen noch zu finden: Die gute alte Holzbank
„Und warum gibt es in der Innenstadt nur Bänke mit Metalloberfläche und ohne Sitzlehnen?“, fragen unzufriedene Bürger häufig. Dabei ist das nicht ganz zutreffend.
Die gute alte Holzbank und Bänke mit Rückenlehnen sind zum Beispiel am Ida-Ehre-Platz noch zu entdecken. An zentralen Stellen, etwa am Rathausmarkt und Jungfernstieg sowie an der Binnenalster und am Ballindamm, befinden sich ebenfalls Holzbänke. Am Gerhart-Hauptmann-Platz stehen Holz-Einzelsitze mit Rückenlehne. „Die Metallbänke in der Spitaler Straße und der Mönckebergstraße wurden als gestalterisches Ausstattungselement bei der Neugestaltung in den 90er Jahren von den damaligen Planern und politischen Gremien ausgewählt“, informiert das Bezirksamt Hamburg-Mitte. Bislang habe es bei der Behörde weder Klagen über eine zu geringe Anzahl noch über die vorhandenen Banktypen gegeben. Daher gebe es keinen Handlungsbedarf. Eine Rückkehr der guten alten Holzparkbank, zum Beispiel mit Hilfe von Sponsoren, ist nicht zu erwarten. „Das ist aufgrund der höheren laufenden Unterhaltungskosten und aus gestalterischer Sicht kein Thema.“ Kriterien wie Zerstörungsanfälligkeit, ständige Holzpflege und neue Gestaltungskonzepte setzen diesem Traum idyllischen Sitzecken im alten Stil einen Dämpfer. (js)
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