Zuhören als Berufung

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Jan P. hilft in seiner Freizeit ehrenamtlich Ratsuchenden im Seel- sorgezentrum St. PetriFoto: Hörmann

In St. Petri haben Ehrenamtliche offene Ohren für Nöte

City. Die seelischen Nöte anderer Menschen als Freizeitbeschäftigung? Ein eher ungewöhnliches Hobby auf den ersten Blick. Und doch: Jan P. (36), Profi-Zuhörer und ehrenamtlicher Berater im Seelsorgezentrum St. Petri, hat Freude an seiner Tätigkeit. „Es ist ein Gefühl von Dankbarkeit, dass ein fremder Mensch mir seine Sorgen anvertraut und ich ihm durch unser Gespräch helfen kann, etwas für das Herz, ein Gegengewicht zu meinem manchmal trockenen Job“, sagt Jan. Von Beruf ist er EDV-Spezialist, sitzt sehr viel am Computer. Gemeinsam mit rund 150 ehrenamtlichen Kollegen berät Jan im Beratungs- und Seelsorgezentrum St. Petri kostenlos und anonym Menschen aus allen Schichten und in allen Altersgruppen.
Die häufigsten Probleme der Ratsuchenden: Einsamkeit, Traurigkeit, Eheprobleme, Burnout oder andere Schwierigkeiten im Beruf, auch Selbstfindung oder Krisen im persönlichen Bereich sind ein Thema. Im Seelsorgezentrum finden die Betroffenen immer ein offenes Ohr, manchmal hilft eben einfach schon ein Gespräch und es muss nicht gleich der Gang zum Psychologen sein. „Wir machen keine Diagnostik oder Therapie, wir sind einfach nur da für die Menschen, womit sie auch kommen, es gibt keinen, der hier falsch ist“, sagt Psychologe Matthias Schmidt, er leitet das Seelsorgezentrum in kirchlichem Auftrag und schult die ehrenamtlichen Helfer.
Matthias Schmidt hilft auch, wenn der ehrenamtliche Helfer selbst nicht mehr weiter weiß. Regelmäßig gibt es für das Team Supervisions-Sitzungen, dort tauschen sich die Berater über ihre Tätigkeit aus. „Ich bin dafür ausgebildet, die Sorgen, die mir erzählt werden, nicht mit nach Hause zu nehmen“, sagt Jan. Eine Hilfe sind hier auch die anderen ehrenamtlichen Berater, zwischendurch wird im Aufenthaltsraum auch einfach nett geplaudert.


„Es ist ein Gefühl von
Dankbarkeit dafür, dass ein
fremder Mensch mir seine Sorgen anvertraut...,
Jan P.

Psychisch Kranke verweisen die ehrenamtlichen Helfer weiter, es geht hauptsächlich um die alltäglichen Sorgen und Krisen. Jan ist einige Stunden pro Woche in der Beratungsstelle, dazu hat er sich freiwillig für zwei Jahre nach der einjährigen Ausbildung zum ehrenamtlichen Berater verpflichtet. „Ich möchte etwas zurückgeben“, sagt er, „ ich habe viel Glück gehabt, eine gute Ausbildung, einen guten Job, deshalb möchte ich auch anderen helfen.“ Und das geht oft schon nur durch das Zuhören. Es gibt keine Akten oder Daten über die Ratsuchenden, Helfer und Besucher bleiben anonym. Einen Termin braucht man bei St. Petri nicht, einfach während der Öffnungszeiten vorbeischauen, wenn einem alles zu viel wird und glaubt: „Ich brauche jemanden zum Reden“. (sh)
Beratungs- und Seelsorge-zentrum Hauptkirche St. Petri, Bei der Petrikirche 3, Öffnungszeiten: werktäglich 11-18 Uhr, Mittwoch bis 21 Uhr, Sonntag 11.30-15 Uhr. Die Beratung
ist anonym und kostenlos
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