„Den eigenen Weg finden“

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Wiebke Fuchs (l.) und Manou besprechen Details für den nächsten RundenTisch Foto: Haas

Neues Beratungsangebot für „Trans-Menschen“

Von Waltraut Haas Hamburg Allzu oft noch werden sie diskriminiert. Deshalb brauchen transgeschlechtliche Menschen dringend Unterstützung: Sie wollen einfach so angenommen werden, wie sie sind. Vor einigen Wochen startete das Projekt „selbstbewusst trans* – Beratung und Akzeptanzarbeit“ im Magnus-Hirschfeld-Centrum (mhc).


„Wir wollen ihre Lebenssituation verbessern und sie unterstützen“, heißt es aus dem mhc. Das Anliegen der meisten lautet den eigenen Weg zu finden. Auch für Angehörige oder Kollegen von Trans-Menschen ist die Beratung offen: nach telefonischer Absprache.
Wer ist was: transgender, transsexuell, transident, gender fluid oder queer? In der Trans-Community herrscht eine bunte Begriffspalette von den Menschen, die sich ihrem biologischen Geschlecht nicht oder nur eingeschränkt zugehörig fühlen oder sich irgendwo dazwischen erleben. So etwa Manou, die fast 60 Jahre lang die Rolle „Mann“ gelebt hat.

„Ich bin einfach ein Mensch“

„Wie kann ich diese große Vielfalt beschreiben? Blumen einer Art wachsen doch auch in zig Varianten“, erklärt sie. „Bin ich jetzt lesbisch, weil ich weiter mit meiner Frau lebe? Ich bin einfach ein Mensch und liebe einen anderen Menschen.“ Manou ist glücklich, seitdem sie offen als Frau leben kann, die sie in ihrem Inneren schon immer war.
Eine große Hürde steht ihr noch bevor: die Änderung ihres Vornamens im Personalausweis. Davor standen ärztliche Gutachten und demnächst eine Gerichtsentscheidung, so will es das Gesetz. Manou ist froh, wenn jetzt schon Briefe korrekt an sie adressiert sind. Relativ unkompliziert ging die Familie mit dem Coming-Out um: Manous Frau steht dazu, der erwachsene Sohn gratulierte kürzlich der „Vaterin“ herzlich zum Muttertag. Die einzige Sorge eines Kirchenchors war: „Ja, singt sie jetzt noch mit?“ Auch im Seniorenkreis, in dem Manou sich ehrenamtlich engagiert, fühlt sie sich angenommen. Nur in seltenen Fällen erlebt sie Respektlosigkeit oder Diskriminierung.
„Transgeschlechtliche Menschen brauchen gleichberechtigte Teilhabe in allen Bereichen“, fordert Wiebke Fuchs, im mhc engagiert in der Akzeptanzarbeit. Sie will für das Thema sensibilisieren.

Runder Tisch

Die ersten Fortbildungen mit Auszubildenden der Polizei seien bereits gut angelaufen. Der „Runde Tisch Transgender Norddeutschland“ fördere Austausch und Vernetzung zwar seit Jahren. „Mit dem neuen Trans-Projekt werden wir aber noch professioneller“, freut sich Wiebke Fuchs. Aktuell in Arbeit sei ein „Hilfewegweiser“ für Trans-Menschen. (wh)

mhc, Borgweg 8, Telefon 279 00 69, Montag bis Donnerstag, 14 bis 18 Uhr,
Mittwoch 19 bis 21 Uhr Infos:www.mhc-hamburg.de
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